Doppelwechselschaltung – zwei Wechselschaltungen in einem Schalter
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026 – auf aktuellen Stand gebracht.
Sie haben im Wohnzimmer oder Flur zu viele Schaltstellen für den vorhandenen Wandplatz? Genau für diesen Fall gibt es die Doppelwechselschaltung: zwei komplette Wechselschaltungen in einem einzigen Schalter, untergebracht in einer einzelnen Gerätedose. In diesem Ratgeber zeige ich Ihnen aus über 30 Jahren Elektriker-Praxis Aufbau, Funktion und Anschluss – und worauf Sie beim Kauf achten müssen, damit Sie nicht versehentlich einen Serienschalter erwischen.
⚡ Das Wichtigste in Kürze:
- Die Doppelwechselschaltung sind zwei vollständige Wechselschaltungen in einem Schaltergehäuse – daher auch „Wechsel/Wechsel-Schaltung“ genannt.
- Schaltet 2 Leuchtgruppen unabhängig voneinander von 2 verschiedenen Stellen.
- Der Doppelwechselschalter hat 6 Anschlussklemmen (2× „L“ und 4× Pfeil-Klemmen).
- Hauptzweck: Platz an der Wand sparen, wenn schon viele andere Schalter vorhanden sind.
- Verwechslungsgefahr: Doppelwechselschalter (6 Klemmen) wird oft mit Serienschalter (3 Klemmen) verwechselt.
- Preis: Markenhersteller ca. 15–20 Euro für den Einsatz plus Rahmen und Wippen.
Was ist eine Doppelwechselschaltung?
Die Doppelwechselschaltung ist – wie der Name schon sagt – die Kombination aus zwei vollständigen Wechselschaltungen in einem einzigen Schaltergehäuse. Statt zwei separater Wechselschalter in zwei Schalterdosen wird ein einziger Doppelwechselschalter in einer Gerätedose untergebracht.
Damit lassen sich zwei verschiedene Leuchtgruppen unabhängig voneinander von zwei verschiedenen Stellen aus schalten – mit insgesamt nur zwei Schaltergehäusen statt vier.
Deshalb wird die Doppelwechselschaltung auch „Wechsel/Wechsel-Schaltung“ genannt. Aus zwei Wechselschaltungen wird eine Doppelschaltung.
Wann ist die Doppelwechselschaltung sinnvoll?
Aus 30 Jahren Praxis kann ich sagen: Der Doppelwechselschalter wird eher selten verbaut – aber es gibt einen klassischen Anwendungsfall, in dem er Gold wert ist:
💡 Mein Praxisbeispiel – das Wohnzimmer mit vielen Schaltern:
Im Wohnzimmer kommt es nicht selten vor, dass an der Eingangstür bis zu 9 Schaltgeräte verbaut werden müssen:
- 4 Wechselschalter für verschiedene Leuchtgruppen (Decke, Wandleuchten, Spots, Esstisch)
- 1 Thermostat für die Heizung
- 3 Jalousieschalter oder Taster
- 1 Steckdose
Wenn man hier für jeden Schalter eine eigene Unterputzdose setzen würde, bräuchte man eine extrem breite Schaltergruppe. Mit Doppelwechselschaltern kann man jeweils zwei Schaltungen in einer Dose unterbringen und so die Anzahl der Dosen reduzieren.
Statt 4 Wechselschalter-Dosen reichen 2 Doppelwechselschalter-Dosen – das spart Wandplatz, Material und Stemmarbeiten.
Weitere Anwendungsfälle:
- Räume mit vielen Leuchtengruppen und begrenztem Wandplatz
- Sanierungen, wo nicht beliebig viele neue Dosen gesetzt werden können
- Designanspruch, wenn ein einzelnes größeres Schalterfeld ästhetischer wirkt als viele Einzelschalter nebeneinander
Doppelwechselschalter vs. Serienschalter – die Verwechslungsgefahr
Der häufigste Fehler beim Kauf: Doppelwechselschalter und Serienschalter werden verwechselt. Beide haben eine Doppelwippe und sehen von vorne fast identisch aus. Der Unterschied zeigt sich erst auf der Rückseite an der Klemmenzahl:
| Merkmal | Serienschalter | Doppelwechselschalter |
|---|---|---|
| Klemmen | 3 | 6 |
| Schaltstellen | 1 Stelle, 2 Leuchten | 2 Stellen, 2 Leuchten unabhängig |
| Funktion | 2 Leuchten von einer Stelle | 2 Wechselschaltungen kombiniert |
| Preis | ca. 10–15 € | ca. 15–20 € (plus Rahmen und Wippen) |
Links: Serienschalter mit 3 Klemmen. Rechts: Doppelwechselschalter mit 6 Klemmen.
Aufbau des Doppelwechselschalters
Der Doppelwechselschalter hat sechs Anschlussklemmen, die in zwei Gruppen aufgeteilt sind. Jede Gruppe entspricht einem vollständigen Wechselschalter:
| Klemme | Funktion (Schaltung 1) | Klemme | Funktion (Schaltung 2) |
|---|---|---|---|
| L1 | Phase oder Lampendraht | L2 | Phase oder Lampendraht |
| Pfeil 1 ⇑ | Korrespondierende Schaltung 1 | Pfeil 2 ⇑ | Korrespondierende Schaltung 2 |
| Pfeil 1 ⇑ | Korrespondierende Schaltung 1 | Pfeil 2 ⇑ | Korrespondierende Schaltung 2 |
Die Klemmen sind in der Regel mit „1″ und „2″ markiert – jede Zahl gehört zu einer der beiden Wechselschaltungen. Wichtig: Die Schaltungen nicht vermischen! Was zu Schaltung 1 gehört, darf nicht versehentlich auf Klemmen von Schaltung 2 gelangen.
Heutige Aderfarben und Verkabelung
Bei der Verkabelung gelten heute die Standard-Aderfarben nach DIN VDE 0293:
- Braun – Phase (Außenleiter)
- Schwarz und Grau – Korrespondierende
- Blau – Neutralleiter (nur als solcher!)
- Grüngelb – Schutzleiter (nur als solcher!)
Wie viele Adern brauchen Sie zwischen den beiden Doppelwechselschaltern?
Bei einer einfachen Wechselschaltung reichen zwischen den Schaltern 5 Adern. Bei der Doppelwechselschaltung wird es komplexer, weil vier Korrespondierende übertragen werden müssen (2 pro Schaltung) plus Neutralleiter und Schutzleiter.
⚡ Praxis-Tipp zur Verkabelung: Im Neubau mit Leerrohren ist das kein Problem – Einzeladern werden einfach in der benötigten Anzahl eingezogen.
Bei Kabelverlegung im Bestand kann es schnell vorkommen, dass 8 Adern zwischen den beiden Doppelwechselschaltern gebraucht werden: 4 Korrespondierende, Neutralleiter, Schutzleiter und 2 Adern für Phase und Lampendraht je nach Anschluss. Hier ist ein NYM-J 5 × 1,5 zu wenig – mindestens NYM-J 7 × 1,5 oder besser zwei parallel verlegte Kabel.
Achten Sie darauf, an welchem Doppelwechselschalter der Lampendraht jeweils geklemmt wird – das bestimmt, wie viele Adern Sie wirklich brauchen.
Doppelwechselschaltung anschließen – Hinweise zum Anschluss
Vor jeder Arbeit: Spannungsfreiheit mit dem zweipoligen Spannungsprüfer prüfen, die 5 Sicherheitsregeln einhalten.
Der Anschluss erfolgt nach dem gleichen Prinzip wie bei zwei separaten Wechselschaltern – nur eben in einem Schaltergehäuse zusammengefasst.
Beim ersten Doppelwechselschalter (Zuleitungsseite)
- Phase Schaltung 1 (braun) auf Klemme „L1″.
- Korrespondierende Schaltung 1 (schwarz, grau) auf die beiden Pfeil-Klemmen ⇑ ⇑ der Schaltung 1.
- Phase Schaltung 2 (zweite Phase, ggf. von gemeinsamer Brücke abgegriffen) auf Klemme „L2″.
- Korrespondierende Schaltung 2 auf die beiden Pfeil-Klemmen ⇑ ⇑ der Schaltung 2.
- Schutzleiter und Neutralleiter werden in der Dose durchgeschleift, nicht über den Schalter geführt.
Beim zweiten Doppelwechselschalter (Lampenseite)
- Spiegelverkehrter Anschluss: Lampendraht Schaltung 1 auf Klemme „L1″.
- Korrespondierende Schaltung 1 auf die beiden Pfeil-Klemmen.
- Lampendraht Schaltung 2 auf Klemme „L2″.
- Korrespondierende Schaltung 2 auf die beiden Pfeil-Klemmen.
- Funktionsprüfung: Jede der beiden Wippen schaltet die zugeordnete Leuchte unabhängig.
Häufige Fehler beim Anschluss
🚫 Aus 30 Jahren Praxis – die typischen Fehler:
- Adern aus Schaltung 1 und 2 vermischt: Da wenig Platz auf der Schalterrückseite ist und 6 Adern angeklemmt werden müssen, passieren schnell Verwechslungen. Lösung: Konsequent auf die Markierungen „L1″, „L2″ und die Pfeile achten. Im Zweifel beim Klemmen Schritt für Schritt arbeiten.
- Doppelwechselschalter mit Serienschalter verwechselt: Im Baumarkt gegriffen ohne auf die Klemmenzahl zu schauen. Folge: Schaltung funktioniert komplett anders als geplant.
- Zu dünnes Verbindungskabel zwischen den beiden Schaltstellen: NYM-J 5 × 1,5 reicht für eine Doppelwechselschaltung nicht – mindestens 7 oder 8 Adern werden gebraucht.
- Wippen verkehrt herum montiert: Wippe 1 schaltet die Leuchte, die eigentlich zu Wippe 2 gehören sollte. Lösung: Beim Aufsetzen der Wippen die Markierungen am Einsatz beachten.
- Schutzleiter (grüngelb) zweckentfremdet: Lebensgefährlich. Niemals als Schaltdraht verwenden.
Übersicht der häufigsten Lichtschalter
Zum Vergleich mit anderen Schaltertypen, die häufig in der Elektroinstallation vorkommen:
Vor- und Nachteile der Doppelwechselschaltung
Vorteile:
- Platzersparnis – zwei Schaltungen in einer Gerätedose
- Weniger Stemmarbeiten und Dosen-Material
- Saubere Optik bei vielen Schaltern an einer Wand
- Beide Schaltungen funktionieren unabhängig wie zwei separate Wechselschaltungen
Nachteile:
- Höhere Verkabelungsdichte – wenig Platz auf der Schalterrückseite
- Mehr Adern im Verbindungskabel zwischen den Schaltstellen (mindestens 7, oft 8)
- Höhere Verwechslungsgefahr mit Serienschalter beim Kauf
- Etwas teurer als zwei separate Wechselschalter
- Bei Defekt eines Schaltelements fallen beide Schaltungen aus
Häufige Fragen zur Doppelwechselschaltung (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen Doppelwechselschalter und Serienschalter?
Der Serienschalter (3 Klemmen) schaltet 2 Leuchten von einer Stelle aus. Der Doppelwechselschalter (6 Klemmen) schaltet 2 Leuchten unabhängig von 2 verschiedenen Stellen aus – das sind technisch zwei Wechselschaltungen in einem Gehäuse. Optisch sind beide nahezu identisch.
Wie erkenne ich einen Doppelwechselschalter?
An den 6 Anschlussklemmen auf der Rückseite. Sie sind in der Regel mit „L1″, „L2″ und Pfeil-Symbolen markiert, oft mit Ziffern 1 und 2 unterschieden. Der Doppelwechselschalter hat doppelt so viele Klemmen wie ein Serienschalter (3) oder Wechselschalter (3).
Was kostet ein Doppelwechselschalter?
Bei Markenherstellern wie Busch-Jaeger, Jung, Gira oder Berker kostet der Einsatz allein etwa 15–20 Euro. Dazu kommen Rahmen und zwei Wippen, was den Komplettpreis auf ca. 25–35 Euro bringt.
Wo wird die Doppelwechselschaltung eingesetzt?
Vor allem in Räumen mit vielen Schaltern, wo der Wandplatz knapp wird – klassisches Beispiel ist das Wohnzimmer mit 4 Wechselschaltungen für unterschiedliche Leuchtgruppen, plus Thermostat, Jalousie und Steckdose an der Eingangstür. Statt 4 einzelner Dosen reichen mit Doppelwechselschaltern 2 Dosen.
Wie viele Adern brauche ich zwischen den beiden Doppelwechselschaltern?
Mindestens 7 Adern für die vier Korrespondierenden plus Neutralleiter, Schutzleiter und eine Phase. In manchen Anschluss-Varianten sogar 8 Adern. In Leerrohren werden Einzeladern eingezogen – das ist flexibel. Bei Kabelverlegung NYM-J 7 × 1,5 oder zwei parallele Kabel.
Kann ich die Doppelwechselschaltung selbst anschließen?
Arbeiten an elektrischen Anlagen sind in Deutschland nach § 13 NAV grundsätzlich eingetragenen Elektrofachbetrieben vorbehalten. Wer als Heimwerker selbst Hand anlegt, handelt auf eigene Gefahr. Bei der Doppelwechselschaltung ist die Verwechslungsgefahr zwischen Schaltung 1 und 2 besonders hoch – im Zweifel Fachkraft hinzuziehen.
Wird die Doppelwechselschaltung heute noch oft eingebaut?
Eher selten. Im klassischen Wohnungsbau reichen meist normale Wechselschalter. Im Wohnzimmer mit besonders vielen Leuchtgruppen ist die Doppelwechselschaltung aber nach wie vor eine elegante Lösung für das Platzproblem.
Welche Aderfarbe ist heute die Phase?
Heute Standard nach DIN VDE 0293: Braun ist die Phase, schwarz und grau sind Korrespondierende, blau ist Neutralleiter, grüngelb ist Schutzleiter. In Altbauten können andere Farben vorkommen – im Zweifel mit dem zweipoligen Spannungsprüfer messen.
Verwandte Schaltungen und Themen
- Wechselschaltung anschließen – die komplette Anleitung
- Serienschaltung anschließen
- Sparwechselschaltung – ist sie verboten?
- Elektroschaltungen – die 5 Grundschaltungen
- Lichtschalter anschließen – komplette Anleitung
Fazit
Die Doppelwechselschaltung ist die clevere Lösung, wenn an einer Stelle viele Schalter zusammenkommen – besonders im Wohnzimmer mit mehreren Leuchtgruppen, Jalousiesteuerung und Thermostat. Statt jeweils eigener Dosen für jede Wechselschaltung reichen Doppelwechselschalter, die zwei Schaltungen in einer Gerätedose vereinen.
Mein Rat aus 30 Jahren Praxis: Beim Kauf genau auf die Klemmenzahl achten – sechs Klemmen bedeuten Doppelwechselschalter, drei Klemmen bedeuten Serienschalter. Die Wippen sehen praktisch gleich aus. Und bei der Verkabelung: Im Neubau mit Leerrohren arbeiten, damit Sie genug Einzeladern für die vier Korrespondierenden plus N und PE bequem einziehen können. Bei der Kabelverlegung mindestens NYM-J 7 × 1,5 mm² – sonst wird es eng.
⚠ Rechtlicher Hinweis und Haftungsausschluss
Die Inhalte dieses Artikels wurden mit größter Sorgfalt aus über 30 Jahren Berufserfahrung erstellt und dienen ausschließlich der allgemeinen Information und Bildung. Eine Gewähr für Aktualität, Richtigkeit oder Vollständigkeit kann nicht übernommen werden.
Arbeiten an elektrischen Anlagen sind nach § 13 der Niederspannungsanschlussverordnung (NAV) und DIN VDE 0100 ausschließlich eingetragenen Elektrofachkräften vorbehalten und können bei unsachgemäßer Ausführung lebensgefährlich sein. Diese Anleitung ersetzt keine fachgerechte Installation durch einen Elektrofachbetrieb.
Jegliche Umsetzung der hier beschriebenen Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung und Gefahr. Für Personen-, Sach- oder Vermögensschäden, die durch die Anwendung der hier gegebenen Informationen entstehen, wird vom Autor und Betreiber dieses Blogs keinerlei Haftung übernommen. Im Zweifel: Elektrofachbetrieb beauftragen.


