Elektroinstallation Küche & Esszimmer – so planen Sie richtig
Zuletzt aktualisiert: April 2026 – auf aktuellen Stand gebracht.
Die Küche ist der technisch anspruchsvollste Raum im ganzen Haus. Nirgendwo sonst hängen so viele leistungsstarke Geräte auf engem Raum: Herd, Kochfeld, Backofen, Geschirrspüler, Kühl- und Gefrierschrank, Mikrowelle, Dunstabzug – dazu unzählige Arbeitsgeräte an der Arbeitsplatte. Wer hier bei den Stromkreisen oder Anschlüssen spart, ärgert sich täglich. Das angrenzende Esszimmer wird dagegen oft sträflich vernachlässigt.
In diesem Artikel zeige ich Ihnen aus über 30 Jahren Elektriker-Praxis, wie Sie die Elektroinstallation in Küche und Esszimmer richtig planen: wie viele Stromkreise Sie für die Küchengeräte brauchen, wie Herd und Kochfeld korrekt angeschlossen werden, wo Steckdosen und Schalter hingehören – und welche Anschlüsse im Esszimmer gern vergessen werden. Egal ob Neubau, Umbau oder Sanierung.
Warum Küche und Esszimmer früh geplant werden müssen
In der Küche gibt die Möblierung die Technik bis auf den Zentimeter vor: Wo steht der Herd, wo das Kochfeld, wo der Geschirrspüler, wo die Arbeitsfläche? Anders als im Wohnzimmer lässt sich hier später kaum etwas umstellen – die Anschlüsse müssen sitzen.
Deshalb gilt: Lassen Sie Ihre Küche zuerst von einem Küchenplaner durchplanen. Sie erhalten dann einen maßstäblichen Plan mit allen Elektro- und Wasseranschlüssen (Backofen, Kochfeld, Dampfgarer, Mikrowelle, Kühlschrank, Dunstabzug, Geschirrspüler, Beleuchtung, Arbeitssteckdosen). Prüfen Sie diesen Plan kritisch – häufig fehlen Kleinigkeiten wie eine Putzsteckdose an der Tür, die Grundbeleuchtung oder ein Netzwerkanschluss.
Den allgemeinen Planungsablauf habe ich im Beitrag Elektroinstallation zukunftssicher planen beschrieben – er gilt für Küche und Esszimmer genauso.
Stromkreise in der Küche – das Herzstück der Planung
Hier wird der häufigste und teuerste Fehler gemacht: zu wenige Stromkreise. Küchengeräte ziehen viel Strom, und mehrere gleichzeitig auf einem Kreis führen zu ständig fliegenden Sicherungen. Meine Praxis-Empfehlung für eigene Stromkreise:
- Elektroherd / Kochfeld – eigener Drehstromkreis (dazu unten mehr).
- Backofen – eigene Zuleitung, wenn als separates Gerät geplant.
- Geschirrspüler – eigener Stromkreis.
- Kühl- und Gefriergerät – eigener Stromkreis (so läuft die Kühlung weiter, wenn an einem anderen Kreis die Sicherung fällt).
- Mikrowelle / Dampfgarer – jeweils eigener Anschluss.
- Dunstabzug – eigener Anschluss.
- Arbeitssteckdosen – mindestens zwei eigene Stromkreise, und nicht mehr als 6–8 Steckdosen pro Kreis.
Werden Waschmaschine und Trockner in der Küche aufgestellt, brauchen auch diese jeweils einen eigenen Kreis. Alle Stromkreise laufen – wie überall – über einen FI-Schutzschalter (RCD) mit 30 mA. Grundlagen dazu unter Stromkreis und Stromkreisverteiler / Unterverteiler.
Herd, Kochfeld und Backofen richtig anschließen
Der Herdanschluss ist der heikelste Punkt in der Küche. Ein Elektroherd bzw. Kochfeld wird in der Regel über Drehstrom (400 V) angeschlossen. Nach DIN 18015 ist der Herdstromkreis auf 20 A auszulegen, der Mindestquerschnitt beträgt damit 5 × 2,5 mm² (je nach Leitungslänge und Verlegeart auch mehr). Abgesichert wird meist mit 3 × 16 A.
Moderne Küchen haben oft ein autarkes Kochfeld und einen separaten Einbau-Backofen. Hier ist mein klarer Rat für den Neubau: jeweils eine eigene Leitung verlegen – 5 × 2,5 mm² für das Kochfeld (über die Herdanschlussdose) und eine eigene Zuleitung für den Backofen, der meist mit Schuko-Stecker geliefert wird. So ist jedes Gerät sauber dimensioniert und abgesichert.
Steckdosen an der Arbeitsplatte
An der Arbeitsplatte brauchen Sie reichlich Steckdosen für Wasserkocher, Toaster, Kaffeemaschine, Mixer und Co. Ein paar Praxis-Regeln:
- Steckdosen an der Arbeitsfläche immer mindestens als 2-fach-Steckdosen ausführen.
- Montagehöhe typisch über der Arbeitsplatte (ca. 110–115 cm über Fertigfußboden), je nach Fliesenspiegel und Küchenplan.
- Lieber großzügig planen: Es sind nie zu viele – die Zahl der Küchenkleingeräte wächst.
- Optional Steckdosen mit USB-Anschluss (USB-C) und Kinderschutz.
Ausstattungswerte für Küche und Esszimmer
Die folgenden Tabellen zeigen die Ausstattungswerte nach DIN 18015-2 / RAL-RG 678 in drei Stufen – Mindest, Standard, Komfort. Sie sind keine Pflicht, aber der anerkannte Maßstab und ein guter Ausgangspunkt für Ihre Planung.
Tabelle Küche
| Anschlussart Küche | Mindest | Standard | Komfort |
|---|---|---|---|
| Beleuchtungsanschlüsse | 2 | 3 | 3 |
| 230-V-Steckdosen (allgemein) | 5 | 10 | 12 |
| Daten-/LAN-Anschluss | – | 1 | 1 |
| TV-/Radio-Anschluss | 1 | 1 | 1 |
| Kühl-/Gefriergerät (eigener Kreis) | 2 | 2 | 2 |
| Elektroherd / Kochfeld (Drehstrom) | 1 | 1 | 1 |
| Backofen / Dampfgarer (falls separat) | 1 | 1 | 1 |
| Geschirrspüler (eigener Kreis) | 1 | 1 | 1 |
| Dunstabzug | 1 | 1 | 1 |
| Stromkreise Arbeitssteckdosen | 2 | 2 | 2+ |
Tabelle Esszimmer
| Anschlussart Esszimmer | Mindest | Standard | Komfort |
|---|---|---|---|
| Beleuchtungsanschlüsse | 1 | 1 | 2 |
| 230-V-Steckdosen (allgemein) | 3 | 5 | 7 |
| Daten-/LAN-Anschluss | 1 | 1 | 1 |
| TV-/Antennenanschluss | 1 | 1 | 1 |
| Stromkreis (Licht + Steckdosen) | 1 | 1 | 1–2 |
Wichtig: Bei einer Essecke erhöhen Sie Anschlüsse und Steckdosen jeweils um eins. In Räumen mit mehreren Zugängen muss das Licht von jedem Zugang aus schaltbar sein. Und Steckdosen neben einem Daten-/LAN-Anschluss führen Sie mindestens als Dreifach-Steckdosen aus.
Das Esszimmer richtig planen
Das Esszimmer wird bei der Elektroplanung oft stiefmütterlich behandelt – dabei gibt es einige wichtige Punkte:
- Beleuchtung über dem Esstisch: ein Deckenauslass genau über der späteren Tischposition – dimmbar für stimmungsvolle Abende.
- Steckdose am/unter dem Esstisch: Bei einem frei im Raum stehenden Tisch ist eine Boden- oder Brüstungssteckdose praktisch (Raclette, Fondue, Laptop) – ohne Kabel quer durch den Raum.
- TV-/Antennen- und Netzwerkanschluss, falls der Essbereich auch zum Wohnen genutzt wird.
- Putzsteckdosen an den Türen und eine allgemeine Grundversorgung an Steckdosen.
- Außenbeleuchtung von Terrasse oder Balkon von innen schaltbar; Außensteckdose ebenfalls von innen schaltbar.
Beleuchtung in Küche und Esszimmer
Gutes Licht in der Küche erfüllt mehrere Aufgaben: helles, schattenfreies Arbeitslicht über der Arbeitsfläche (z. B. Unterschrankleuchten, ca. 4000 K), gemütliches, warmes Licht im Essbereich und eine allgemeine Grundbeleuchtung. Jede dieser Gruppen sollte getrennt schaltbar sein.
Wie Sie das Lichtkonzept der Küche im Detail planen, lesen Sie in meinem Spezial-Artikel Küchenbeleuchtung – die 5 wichtigsten Tipps. Für den Wohn-/Essbereich passt zusätzlich der Beitrag Wohnzimmer-Beleuchtung, und allgemein Hausbeleuchtung.
Netzwerk, Überspannungsschutz und Zukunftssicherheit
Auch die Küche wird digital. Smarte Kühlschränke, vernetzte Backöfen und Sprachassistenten sind keine Spinnerei mehr. Sehen Sie deshalb vor:
- Netzwerkanschluss oder zumindest ein bis zwei Leerrohre, die in leeren Unterputzdosen enden – für die Zukunftstechnik.
- Überspannungsschutz: Seit Oktober 2016 (DIN VDE 0100-443/-534) im Neubau und bei Kernsanierung Pflicht. Er schützt die teuren Küchengeräte vor Spannungsspitzen und wird im Verteiler installiert.
- Steckdosen mit Überspannungsschutz punktuell für empfindliche Elektronik.
Wer mit einer späteren Automatisierung liebäugelt, sollte Leerrohre für ein Bussystem vorsehen – mehr dazu unter Smart-Home-Anwendungen.
Rollladen, Heizung und Sicherheit
Ein paar Punkte, die rund um Küche und Esszimmer dazugehören:
- Elektrische Rollladen/Jalousien bei großen Fensterflächen – einzeln oder zentral. Siehe Rollladensteuerung.
- Einzelraumregelung der Heizung an zentraler Stelle – siehe Einzelraumregelung Heizung.
- Rauchmelder: In Küchen wegen Dampf und Kochdünsten oft kritisch (Fehlalarme) – hier eignen sich spezielle Hitzemelder statt klassischer Rauchmelder.
Was kostet die Elektroinstallation in der Küche?
💶 Kosten-Orientierung (Neubau):
- Standardausstattung: ca. 80–120 € pro m² Wohnfläche
- Gehobene Ausstattung / Smart Home: ca. 120–180 € pro m² und mehr
- Die Küche liegt wegen der vielen Stromkreise und Geräteanschlüsse am oberen Ende
- Nachrüsten in fertiger Wand: bis zum 5-fachen der Neubaukosten
Gerade in der Küche gilt: Was an Stromkreisen und Anschlüssen im Rohbau eingeplant wird, ist günstig. Was später fehlt, wird teuer und unsauber. Sparen Sie nicht an der Elektrik, wenn Sie ohnehin viel Geld in die Küche investieren.
Was dürfen Sie selbst machen?
In der Küche ist die Eigenleistung stark eingeschränkt. Der § 13 NAV (Niederspannungsanschlussverordnung) erlaubt Laien nur Arbeiten, die nicht den Anschluss an die feste Hausinstallation betreffen. Herd-, Kochfeld- und Backofenanschluss, neue Stromkreise, Verteilerarbeiten und Überspannungsschutz gehören ausschließlich in die Hände einer Elektrofachkraft – auch aus Versicherungsgründen. Mehr dazu unter Elektrik selber machen .
Häufige Planungsfehler in Küche und Esszimmer
Aus über 30 Jahren Praxis – diese Fehler sehe ich immer wieder:
- Zu wenige Stromkreise für die Arbeitssteckdosen – ständig fliegende Sicherungen.
- Kühlgerät nicht auf eigenem Kreis – taut ab, wenn woanders die Sicherung fällt.
- Backofen und Kochfeld an einer Leitung im Neubau – statt zwei sauber dimensionierten Zuleitungen.
- Zu wenige Arbeitssteckdosen – die Kleingeräte werden mehr.
- Arbeitslicht nicht separat schaltbar – schattenfreies Licht fehlt beim Schneiden.
- Bodensteckdose am freistehenden Esstisch vergessen.
- Keine Leerrohre für künftige Vernetzung.
- Überspannungsschutz nicht vorgesehen – heute Pflicht und echter Geräteschutz.
Fazit – in der Küche zählt die saubere Planung
Die Küche ist der Raum mit den höchsten elektrischen Anforderungen. Eigene Stromkreise für die Großgeräte, ein normgerechter Herd- und Kochfeldanschluss, genug Arbeitssteckdosen und ein durchdachtes Lichtkonzept – das ist kein Luxus, sondern die Basis für eine Küche, die jahrzehntelang reibungslos funktioniert. Das Esszimmer verdient die gleiche Aufmerksamkeit, gerade bei Beleuchtung und der oft vergessenen Bodensteckdose.
Mein Rat: Lassen Sie Küchenplaner und Elektrobetrieb früh zusammenarbeiten und alles im Plan festhalten, bevor gebaut wird. Was im Plan steht, lässt sich diskutieren – was schon in der Wand steckt, nur teuer ändern.
⚠ Rechtlicher Hinweis und Haftungsausschluss
Die Inhalte dieses Artikels wurden mit größter Sorgfalt aus über 30 Jahren Berufserfahrung erstellt und dienen ausschließlich der allgemeinen Information und Bildung. Eine Gewähr für Aktualität, Richtigkeit oder Vollständigkeit kann nicht übernommen werden.
Arbeiten an elektrischen Anlagen sind nach § 13 der Niederspannungsanschlussverordnung (NAV) und DIN VDE 0100 ausschließlich eingetragenen Elektrofachkräften vorbehalten und können bei unsachgemäßer Ausführung lebensgefährlich sein. Diese Anleitung ersetzt keine fachgerechte Installation durch einen Elektrofachbetrieb.
Jegliche Umsetzung der hier beschriebenen Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung und Gefahr. Für Personen-, Sach- oder Vermögensschäden, die durch die Anwendung der hier gegebenen Informationen entstehen, wird vom Autor und Betreiber dieses Blogs keinerlei Haftung übernommen. Im Zweifel: Elektrofachbetrieb beauftragen.