Stromkreise planen — Grundlagen, Raum-für-Raum-Zuordnung & Praxis-Beispiele (2026)
2026 — auf aktuellen Stand gebracht.
Was ist eigentlich ein Stromkreis? Wie viele Stromkreise brauchst du in deinem Haus oder deiner Wohnung? Welche Geräte sollten unbedingt einen eigenen Stromkreis bekommen — und wie teilst du sie konkret auf die Räume auf?
Dieser Ratgeber zeigt dir die Grundlagen des Stromkreises verständlich erklärt — plus die konkrete Planung mit Raum-für-Raum-Zuordnung, drei Beispiel-Grundrissen (Wohnung, EFH, großes Haus mit PV + Wallbox) und einer kompletten Planungs-Checkliste für Bauherren. Damit du weißt, worum es geht, wenn der Elektriker von „Steckdosenkreisen“ und „Lastverteilung auf die Phasen“ spricht.
Das Wichtigste in 30 Sekunden
- Ein Stromkreis ist ein geschlossener Kreislauf aus Spannungsquelle, Leitungen und Verbrauchern
- In Wohngebäuden besteht jeder Stromkreis aus Phasenleiter, Neutralleiter und Schutzleiter
- Jeder Stromkreis wird mit einem Leitungsschutzschalter (LS) und (bei Steckdosen) einem FI-Schutzschalter 30 mA abgesichert
- Mindestausstattung EFH 150 m²: ca. 6 Steckdosen- und 3 Beleuchtungskreise, plus eigene Kreise für Großverbraucher — Gesamt ca. 15 Stromkreise
- Komfort-Ausstattung EFH 150 m² mit Wallbox + Wärmepumpe: 25-30 Stromkreise
- Großverbraucher (Herd, Spüler, Waschmaschine, Trockner, Wallbox, Wärmepumpe) bekommen immer eigene Stromkreise
- Lastverteilung: Stromkreise gleichmäßig auf L1/L2/L3 verteilen — Großverbraucher nicht alle auf eine Phase
- Alle Stromkreise laufen im Stromkreisverteiler (Unterverteiler) zusammen — siehe Stromkreisverteiler
Was ist ein Stromkreis?
Ein Stromkreis ist ein geschlossener Kreislauf, durch den elektrischer Strom fließt. Damit überhaupt Strom fließen kann, müssen drei Komponenten zusammenwirken:
- Spannungsquelle — im Haus die Steckdose, geliefert vom Netzbetreiber (230 V Wechselstrom)
- Leitungen — transportieren den Strom zum Verbraucher und zurück
- Verbraucher — Lampe, Kaffeemaschine, Computer, alles was elektrische Energie nutzt
Wird der Kreis unterbrochen — etwa durch das Ausschalten eines Schalters oder das Auslösen einer Sicherung — fließt kein Strom mehr. Der Stromkreis ist die Grundlage jeder elektrischen Installation: vom kleinen Lampen-Stromkreis bis zur Großanlage im Industriegebäude.
Anschauliche Erklärung — das Wasserkreislauf-Bild
Ein elektrischer Stromkreis lässt sich gut mit einem Wasserkreislauf vergleichen:
- Spannung (Volt) = Wasserdruck im Rohr — die treibende Kraft
- Strom (Ampere) = Wassermenge, die durchfließt
- Widerstand (Ohm) = wie eng oder weit das Rohr ist — je enger, desto weniger fließt
- Leistung (Watt) = die geleistete Arbeit am Ende (z. B. das Wasserrad)
Der Zusammenhang wird im Ohmschen Gesetz beschrieben: U = R × I (Spannung = Widerstand mal Strom).

Aufbau eines Stromkreises in der Hausinstallation
In Wohngebäuden ist jeder Stromkreis aus mindestens drei Adern aufgebaut:
| Ader | Farbe | Funktion |
|---|---|---|
| Phasenleiter (L) | Braun, Schwarz oder Grau | Bringt die Spannung (230 V) zum Verbraucher |
| Neutralleiter (N) | Blau | Schließt den Stromkreis, führt den Strom zurück |
| Schutzleiter (PE) | Grüngelb | Sicherheits-Leiter — schützt vor gefährlichen Berührungsströmen |
Bei Großverbrauchern (Herd, Wallbox) gibt es fünfadrige Anschlüsse mit allen drei Phasen (L1, L2, L3) plus Neutralleiter und Schutzleiter. Die Aderfarben in modernen Installationskabeln NYM-J 5×2,5 mm² sind dann:
- Braun = Phase L1
- Schwarz = Phase L2
- Grau = Phase L3
- Blau = Neutralleiter
- Grüngelb = Schutzleiter
💡 Drehstrom vs. Wechselstrom
In Deutschland kommt aus dem Netz Drehstrom mit drei Phasen (L1, L2, L3) und 400 V Spannung zwischen den Phasen. Zwischen einer Phase und dem Neutralleiter sind es die bekannten 230 V — das ist der „normale“ Wechselstrom für Steckdosen und Lampen. Großverbraucher wie der Herd nutzen alle drei Phasen gleichzeitig.
Wie viele Stromkreise brauchst du im Haus?
Die häufigste Frage von Bauherren. Die Antwort hängt von drei Faktoren ab: Wohnfläche, Ausstattung und geplanten Großverbrauchern.
Mindestausstattung nach Wohnfläche (DIN 18015-2)
| Wohnfläche | Steckdosen-Kreise | Beleuchtungs-Kreise |
|---|---|---|
| bis 50 m² | 2 | 1 |
| 50-75 m² | 3 | 2 |
| 75-100 m² | 4 | 2 |
| 100-125 m² | 5 | 3 |
| 125-150 m² | 6 | 3 |
| über 150 m² | 7+ | 4+ |
Diese Werte sind absolute Mindestwerte nach DIN 18015-2. In der Praxis zeigt sich: wer heute die Mindestausstattung wählt, ärgert sich in 10 Jahren. Empfehlung: mindestens 50 % mehr planen.
Eigene Stromkreise für Großverbraucher
Folgende Verbraucher bekommen immer einen eigenen Stromkreis:
- Herd — Drehstrom-Anschluss (NYM-J 5×2,5 mm², 3×B16A)
- Geschirrspüler — eigener Stromkreis mit FI
- Waschmaschine — eigener Stromkreis mit FI
- Trockner — eigener Stromkreis
- Wallbox für E-Auto — eigener Stromkreis mit FI Typ A EV oder Typ B
- Wärmepumpe — eigener Stromkreis, oft mit separatem Wärmepumpentarif
- Sauna — Drehstrom-Anschluss
- Klimaanlage / Split-Klimagerät
- PV-Wechselrichter — eigener Zählpfad
- Außenbeleuchtung + Garagentor — ein eigener Außen-Kreis
- Router, Netzwerk-Switch, Smart-Home-Zentrale — bevorzugter Kreis, der nicht am FI der Steckdosen hängt
- Heizungssteuerung — mit Vorrang-Schutz, läuft bei allem anderen weiter
Realistischer Gesamtbedarf im Einfamilienhaus
Bei einem 150-m²-EFH mit mittlerer Ausstattung liegen heute typisch 15-20 Stromkreise an. Mit kompletter Komfort-Ausstattung (Wallbox, Wärmepumpe, PV, Smart Home) werden es 25-30. Konkrete Beispiele siehe unten.
Raum-für-Raum-Zuordnung — welcher Stromkreis wohin
Jetzt die konkrete Planung: Welche Räume und welche Geräte gehören in welchen Stromkreis? Hier die Praxis-Aufteilung aus der Werkstatt:
Küche — die meisten Stromkreise im Haus
Keine andere Räume hat so viele Großverbraucher wie die Küche. Planung:
- Herd — Drehstrom 5×2,5 mm², 3×B16A (eigener Kreis)
- Backofen — bei getrenntem Backofen eigener Kreis mit B16A
- Geschirrspüler — eigener Kreis NYM-J 3×2,5 mm², B16A mit FI
- Kühl-/Gefrierschrank — eigener Kreis (kein FI, der mit anderen geteilt wird — Tiefkühl-Ware würde bei FI-Auslösung auftauen)
- Mikrowelle / Dunstabzug — jeweils eigene Steckdose, Stromkreis Küche-Oberschrank
- Arbeitsplatten-Steckdosen — mindestens 1 Stromkreis für die Steckdosen über der Arbeitsplatte (hohe Last durch Wasserkocher, Toaster, Mixer gleichzeitig)
- Beleuchtung — eigener Lichtkreis Küche
Stromkreise Küche gesamt: 5-7 Kreise sind realistisch.
Bad — Pflicht-FI und Schutzbereiche
- Steckdosen Bad — eigener Kreis mit FI 30 mA (seit 2007 Pflicht)
- Beleuchtung Bad — eigener Lichtkreis, bei Spiegelschrank mit integrierter Steckdose evtl. mit auf dem Steckdosenkreis
- Waschmaschine — eigener Kreis mit FI (oft im HWR, nicht im Bad)
- Elektroheizkörper / Handtuchheizkörper — eigener Kreis
Stromkreise Bad gesamt: 2-3 Kreise.
Wohnzimmer, Esszimmer, Flur
- Steckdosen Wohnbereich — 1-2 Kreise für alle Steckdosen rund um Sofa, TV, Esstisch
- Beleuchtung Wohnbereich — 1-2 Lichtkreise (getrennt für Deckenbeleuchtung und Dimmer-/Stehleuchten)
- Flur-Beleuchtung — eigener Kreis (empfohlen bei langen Fluren mit vielen Spots)
Stromkreise Wohnbereich gesamt: 3-4 Kreise.
Schlafzimmer, Kinderzimmer, Büro
- Steckdosen Schlafbereich — 1 Kreis für 1-2 Schlafzimmer
- Steckdosen Kinderzimmer — 1 Kreis (mit Shutter-Steckdosen für Kindersicherung)
- Beleuchtung — meist zusammen mit Wohnbereich auf einem Lichtkreis
- Büro / Home-Office — eigener Kreis empfohlen (hoher Dauerstrom durch PC, Monitore, Lader)
Stromkreise Schlafbereich gesamt: 2-3 Kreise.
Hauswirtschaftsraum, Keller, Technikraum
- Waschmaschine — eigener Kreis mit FI
- Trockner — eigener Kreis (bei Wärmepumpen-Trockner Standard-230V, bei alten Kondenstrocknern evtl. mehr)
- Steckdosen Keller/HWR — 1 Kreis für Bügelstation, Dampfreiniger, Akku-Lader
- Werkstatt-Kreis — bei Werkbank eigener Kreis mit 400V-Steckdose für Standmaschinen
- Heizung / Wärmepumpe — eigener Kreis, oft mit separatem Zähler/Tarif
- Technik-Kreis — Router, Switch, Smart-Home-Hub, Alarmanlage auf ungesichertem Kreis (kein FI mit anderen Steckdosen)
Stromkreise HWR/Keller gesamt: 4-6 Kreise.
Außen, Garage, Wallbox
- Außensteckdosen Terrasse/Garten — eigener Kreis mit FI, IP44/IP54
- Außenbeleuchtung — eigener Kreis mit Dämmerungsschalter/Zeitschaltuhr
- Garagentor-Antrieb — eigener Kreis
- Garage-Steckdosen und -Licht — 1-2 Kreise
- Wallbox — eigener Kreis mit FI Typ A EV oder Typ B (NYM-J 5×2,5 bei 11 kW, 5×6 bei 22 kW)
Stromkreise außen/Garage gesamt: 3-5 Kreise.
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Beispiel-Planungen — 3 typische Grundrisse
Jetzt die konkrete Umsetzung. Drei typische Planungen von Wohnung bis großes Haus:
Beispiel 1: Mietwohnung 70 m² Standard
Ausstattung: 2 Zimmer, Küche, Bad, kleiner Balkon. Standard-Ausstattung, kein Herd (Mieterin bringt mit), Waschmaschine im Bad.
Stromkreise:
- 1× Herd/Backofen (Drehstrom, Reserve für Mieter-Herd)
- 1× Küche Arbeitsplatte + Geschirrspüler-Anschluss
- 1× Küche Rest (Kühlschrank, Dunstabzug, Oberschrank)
- 1× Bad Steckdosen + Waschmaschine mit FI
- 1× Wohnbereich Steckdosen
- 1× Schlafzimmer Steckdosen
- 1× Licht Küche + Bad
- 1× Licht Wohn-/Schlafbereich + Flur
- 1× Außensteckdose Balkon
Gesamt: 9 Stromkreise — DIN-Mindestausstattung erfüllt + Reserve.
Beispiel 2: Einfamilienhaus 150 m² Standard
Ausstattung: 5 Zimmer, Küche, 2 Bäder, Keller, Garage. Kein Smart Home, keine Wallbox, Gas-Therme.
Stromkreise:
- Küche (5): Herd/Drehstrom · Backofen · Spüler · Kühlschrank · Arbeitsplatte + Oberschrank
- Bad OG (2): Steckdosen mit FI · Elektroheizkörper
- Gäste-WC EG (1): Steckdosen + Licht
- Wohnbereich (3): Steckdosen WZ · Steckdosen EZ + Flur · Licht EG
- Schlafbereich (3): Steckdosen Schlafzimmer · Steckdosen Kinderzimmer · Licht OG
- HWR / Keller (4): Waschmaschine · Trockner · Steckdosen Keller · Heizungs-Kreis
- Außen (2): Außensteckdose Terrasse/Garten · Außenlicht + Garagentor
Gesamt: ca. 20 Stromkreise — solide Standard-Ausstattung.
Beispiel 3: Modernes EFH 220 m² mit PV, Wallbox & Wärmepumpe
Ausstattung: 7 Zimmer, offene Wohnküche, 2 Bäder, Keller, Doppelgarage, PV-Anlage 10 kWp mit Batteriespeicher, 11-kW-Wallbox, Luft-Wasser-Wärmepumpe, Smart Home über KNX.
Stromkreise:
- Küche (6): Herd · Backofen · Spüler · Kühlschrank · Arbeitsplatte 1 (Kochinsel) · Arbeitsplatte 2 (Wand)
- Bäder (3): Bad OG Steckdosen · Elektroheizkörper · Bad EG Gäste
- Wohnbereich (4): Steckdosen Wohnbereich · Steckdosen Esstisch + Flur · Licht EG 1 · Licht EG 2 (Dimmerbereich)
- Schlafbereich (4): Steckdosen Schlafzimmer · Kinderzimmer 1 · Kinderzimmer 2 · Licht OG
- Büro / Home-Office (1): eigener Kreis für Arbeitsplatz
- HWR / Keller (5): Waschmaschine · Trockner · Steckdosen HWR · Werkstatt-Kreis · Technik-Kreis (Router/KNX/Smart Home)
- Außen / Garage (4): Außensteckdose · Außenlicht · Garagentor + Garage-Steckdosen · Wallbox 11 kW Drehstrom
- Heizung (2): Wärmepumpe · Umwälzpumpe/Steuerung
- PV / Speicher (2): PV-Wechselrichter · Batteriespeicher
Gesamt: ca. 31 Stromkreise — moderne Komfort-Ausstattung.
Lastverteilung auf die drei Phasen
Damit das Stromnetz im Haus stabil läuft, müssen die Stromkreise gleichmäßig auf die drei Phasen (L1, L2, L3) aufgeteilt werden. Das nennt sich Lastverteilung oder Schieflast-Vermeidung.
Warum ist gleichmäßige Lastverteilung wichtig?
- Stabilität: Bei großen Schieflasten kann es zu Spannungsschwankungen kommen
- Effizienz: Gleichmäßige Auslastung schont das Netz und das eigene Hausleitungssystem
- Normvorgabe PV-Einspeisung: Nach VDE-AR-N 4105 dürfen einphasige PV-Wechselrichter maximal 4,6 kVA pro Phase ins Netz einspeisen — Grund für die 4,6-kVA-Grenze
- Verschleiß: Eine überlastete Phase verschleißt Kontakte und LS-Schalter schneller
Praktische Aufteilung im Wohnhaus
Faustregel: Wechselstrom-Verbraucher (Lampen, Steckdosen) auf die drei Phasen verteilen, sodass jede Phase etwa die gleiche Last trägt. Drehstrom-Verbraucher (Herd, Wallbox, Wärmepumpe) nutzen alle drei Phasen gleichzeitig — hier verteilt sich die Last automatisch.
💡 Praxis-Tipp zur Phasen-Verteilung
Achte darauf, dass Großverbraucher wie Geschirrspüler, Waschmaschine und Trockner nicht auf der gleichen Phase hängen. Sonst kann es zu Überlastungen kommen, wenn alle gleichzeitig laufen (Sonntagabend-Realität). Beim Anschluss in der Verteilung sollte dein Elektriker die Last bewusst verteilen — das steht auch im Verteilerplan.
Absicherung der Stromkreise
Jeder Stromkreis braucht einen Schutz vor Überlastung und Kurzschluss — den Leitungsschutzschalter (LS), umgangssprachlich oft noch „Sicherung“ genannt.
Welche Absicherung für welchen Stromkreis?
| Stromkreis | Kabelquerschnitt | Absicherung LS |
|---|---|---|
| Beleuchtung | NYM-J 3×1,5 mm² | B10A |
| Steckdosen Wohnräume | NYM-J 3×1,5 mm² | B16A + FI 30 mA |
| Steckdosen Küche (Arbeitsplatte) | NYM-J 3×2,5 mm² | B16A + FI 30 mA |
| Geschirrspüler / Waschmaschine | NYM-J 3×2,5 mm² | B16A + FI 30 mA |
| Herd (Drehstrom) | NYM-J 5×2,5 mm² | 3×B16A |
| Wallbox 11 kW (Drehstrom) | NYM-J 5×2,5 mm² | 3×B16A + FI Typ A EV / Typ B |
| Wallbox 22 kW (Drehstrom) | NYM-J 5×6 mm² | 3×C32A + FI Typ B |
| Wärmepumpe (klein, einphasig) | NYM-J 3×2,5 mm² | B16A |
| Wärmepumpe (groß, Drehstrom) | NYM-J 5×2,5 mm² | 3×C16A oder 3×C25A |
Wichtige Anforderungen an den Leitungsschutzschalter:
- Bemessungs-Ausschaltvermögen 6 kA — Mindestanforderung in Wohngebäuden
- Charakteristik B für normale Verbraucher (Lampen, Steckdosen)
- Charakteristik C für Motoren oder Geräte mit hohem Anlaufstrom (Wärmepumpe, Wallbox 22 kW)
- FI/RCD 30 mA seit 2007 Pflicht für alle Steckdosenkreise bis 20 A (DIN VDE 0100-410)
Alle Details zu FI, LS und Kombi-Schaltern (RCBO) findest du im Deep-Dive: FI- und LS-Schalter verstehen.
Symptome eines überlasteten Stromkreises
Die Anzahl der elektrischen Geräte pro Wohnung ist in den letzten 20 Jahren explodiert. Was 2000 noch ausreichte, ist heute oft unterdimensioniert. Folgende Anzeichen deuten auf Überlastung hin:
🚫 Warnsignale überlasteter Stromkreise
- Sicherungen fliegen häufig raus — mehrmals pro Woche oder Monat
- Steckdosen werden warm oder heiß — akute Brandgefahr
- Lampen flackern, wenn Großgeräte einschalten (Waschmaschine, Kühlschrank-Kompressor)
- Steckdosen knistern oder machen Geräusche
- Verfärbungen an der Steckdose — klares Anzeichen für Überhitzung
- Mehrfachsteckdosen überall weil zu wenig fest installierte Dosen vorhanden sind
- Bei diesen Anzeichen sofort einen Elektrofachbetrieb hinzuziehen — das Problem löst sich nicht von selbst, sondern wird mit der Zeit gefährlicher.
Bei älteren Anlagen empfiehlt sich generell eine Überprüfung — mehr dazu unter Elektroinstallation Altbau.
Planungs-Checkliste für Bauherren
So planst du deine Stromkreise strukturiert — Schritt für Schritt:
✅ Deine 10-Punkte-Checkliste
- Wohnfläche berechnen und Mindestausstattung nach DIN 18015-2 ermitteln (siehe Tabelle oben)
- Großverbraucher auflisten: Herd, Backofen, Spüler, Waschmaschine, Trockner, Wallbox, Wärmepumpe, PV, Sauna, Klima
- Für jeden Großverbraucher einen eigenen Stromkreis einplanen
- Küchen-Planung früh einholen: Steckdosen Arbeitsplatte, Dunstabzug, Nebenverbraucher
- Steckdosenkreise auf Raum-Bereiche aufteilen — nicht alle Steckdosen auf einen Kreis legen
- Technik-Kreis für Router/Smart-Home/Alarm vorsehen (nicht am FI der Steckdosen)
- Kühlgefrierkombi auf eigenen Kreis (keine FI-Mischung → Tiefkühlwar bleibt bei Auslösung gefroren)
- Außenbereich einplanen: Terrasse, Garten, Garagentor, Außenlicht — mindestens 2 Kreise
- Reserve-Kreise vorsehen: 10-20 % freie Plätze im Verteiler für zukünftige Erweiterungen (Wallbox, PV-Nachrüstung)
- Verteiler-Plan vom Elektriker erstellen lassen — mit Phasen-Zuordnung und Beschriftung aller Kreise
Häufige Fragen zu Stromkreisen (FAQ)
Was ist ein Stromkreis?
Ein Stromkreis ist ein geschlossener Kreislauf aus Spannungsquelle, Leitungen und Verbrauchern. Damit Strom fließen kann, muss der Kreis geschlossen sein — Unterbrechung an einem Punkt (z. B. Schalter aus oder Sicherung gelöst) stoppt den Stromfluss.
Wie viele Stromkreise brauche ich im Haus?
Bei einem 150-m²-EFH mit Standard-Ausstattung sind heute typisch 15-20 Stromkreise üblich. Mit Smart Home, Wallbox und Wärmepumpe werden es 25-30. Mindestens 6 Steckdosen- und 3 Beleuchtungskreise plus jeweils eigene Kreise für Großverbraucher.
Welche Geräte brauchen einen eigenen Stromkreis?
Herd, Backofen (bei getrennten Geräten), Geschirrspüler, Waschmaschine, Trockner, Wallbox, Wärmepumpe, Sauna, Klimaanlage. Bei Großverbrauchern verhindert ein eigener Kreis Überlastungen und ermöglicht gezielten Schutz (z. B. FI Typ B für die Wallbox).
Was ist der Unterschied zwischen 230 V und 400 V?
230 V ist die Spannung zwischen einer Phase und dem Neutralleiter — das sind die „normalen“ Steckdosen. 400 V ist die Spannung zwischen zwei Phasen — das ist der Drehstrom für Großverbraucher wie Herd, Wallbox oder Sauna.
Wofür braucht der Stromkreis den Schutzleiter?
Der grüngelbe Schutzleiter ist die Sicherheits-Ader. Bei einem Isolationsfehler (z. B. eine spannungsführende Ader berührt das Metallgehäuse eines Geräts) leitet der Schutzleiter die Spannung ab und löst die Sicherung oder den FI-Schutzschalter aus. Ohne Schutzleiter wäre die Gerätehülle elektrisch geladen — Lebensgefahr.
Was bedeutet B16A beim Leitungsschutzschalter?
B = Auslösecharakteristik (B für normale Verbraucher, C für Motoren). 16A = Bemessungsstrom in Ampere. Ein B16A löst bei dauerhafter Überschreitung von 16 Ampere aus und bei Kurzschluss sofort. Standard für Wohnungs-Steckdosen mit 1,5 mm² oder 2,5 mm² Querschnitt.
Warum müssen Stromkreise gleichmäßig auf die Phasen verteilt sein?
Eine ungleichmäßige Verteilung führt zu Schieflasten — eine Phase wird überlastet, während andere wenig genutzt sind. Für PV-Einspeisung gilt zudem die Vorgabe aus VDE-AR-N 4105: einphasige Wechselrichter dürfen maximal 4,6 kVA pro Phase ins Netz einspeisen. Aus Stabilitätsgründen sollten Großverbraucher gezielt auf alle drei Phasen verteilt werden.
Was kostet die Erweiterung um einen Stromkreis?
Bei vorhandenen Leerrohren im Neubau etwa 150-300 € pro Stromkreis inkl. Material und Anschluss. Bei nachträglicher Verlegung im Bestand (Schlitze stemmen nötig) deutlich teurer — schnell 400-800 €. Mehr zu den Kosten unter Kosten Elektroinstallation.
Wie erkenne ich einen überlasteten Stromkreis?
Häufig auslösende Sicherungen, warme Steckdosen, flackernde Lampen, knisternde Steckdosen, Verfärbungen an der Steckdose. Bei diesen Anzeichen sofort einen Fachbetrieb hinzuziehen — Brandgefahr.
Was ist der Unterschied zwischen Stromkreis und Stromkreisverteiler?
Der Stromkreis ist der elektrische Kreislauf vom Verteiler zum Verbraucher und zurück. Der Stromkreisverteiler ist der Schrank, in dem alle Stromkreise zusammenkommen und abgesichert werden. Details unter Stromkreisverteiler.
Darf ich einen Stromkreis selbst erweitern?
Arbeiten am festen Netz sind nach § 13 NAV einer Elektrofachkraft vorbehalten. Du darfst Rohre und Dosen setzen und Kabel ziehen (bis zur Klemmstelle), das Anklemmen und das Setzen eines neuen LS im Verteiler muss ein Elektriker machen. Spart dir trotzdem viel Geld — mehr unter Elektroinstallation selber machen.
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Fazit
Der Stromkreis ist die Grundlage jeder elektrischen Installation. Im modernen Wohnungsbau geht es vor allem darum, wie viele Stromkreise du brauchst, welche Geräte einen eigenen bekommen und wie du sie auf die Räume aufteilst.
Drei Dinge zum Mitnehmen:
- Plane großzügig. Die Mindestausstattung nach DIN 18015-2 ist heute oft zu knapp — wer 50 % mehr plant, hat 30 Jahre lang keine Probleme mit überlasteten Kreisen.
- Großverbraucher bekommen eigene Stromkreise. Herd, Spüler, Waschmaschine, Trockner, Wallbox, Wärmepumpe — jeder bekommt seinen eigenen Kreis mit passender Absicherung.
- Reserve einplanen. 10-20 % freie Plätze im Verteiler sparen dir später teures Nachrüsten für Wallbox, PV-Anlage oder Smart Home.
Wie der zentrale Stromkreisverteiler im Detail aufgebaut ist und welche Bauelemente er enthält, findest du unter Stromkreisverteiler / Unterverteiler. Für die komplette Planung deines Neubaus siehe Planung Elektroinstallation.
🏠 Du planst dein eigenes Haus oder renovierst?
Stromkreise sind nur ein Puzzle-Teil. Mein kompletter 358-Seiten-Praxis-Ratgeber deckt die ganze Hauselektrik ab: FI-Schutzschalter, Zählerschrank, Smart Home, PV-Anlage, Wallbox, Herdanschluss, Bad-Installation, 7 Schaltpläne, Musterinstallation Keller + Schlafzimmer.
29,70 € · einmaliger Kauf · Bonus: Raum-für-Raum-Checkliste
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Arbeiten an elektrischen Anlagen sind nach § 13 der Niederspannungsanschlussverordnung (NAV) und DIN VDE 0100 ausschließlich eingetragenen Elektrofachkräften vorbehalten und können bei unsachgemäßer Ausführung lebensgefährlich sein.
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