Sie wollen Ihre Rollläden elektrisch steuern – aber stehen vor der Wahl zwischen einfachem Jalousieschalter, zentraler Steuerung, Funklösung oder Smart-Home-System? Welche Variante passt zu Ihrem Haus, Ihrem Budget und Ihren Komfort-Ansprüchen? In diesem Ratgeber zeige ich Ihnen aus über 30 Jahren Elektriker-Praxis, welche Steuerungsarten es gibt, wann welche sinnvoll ist und worauf Sie unbedingt achten müssen – besonders bei der Verkabelung im Neubau.
⚡ Das Wichtigste in Kürze:
Die Rolladensteuerung gibt es in vier Varianten: Einzelsteuerung, Gruppensteuerung, Zentralsteuerung und Smart-Home-Lösung.
Vor der Auswahl klären: kabelgebunden, Funk oder Smart-Home – das entscheidet die komplette Installation.
Im Neubau immer ausreichend Adern vorsehen (mindestens 5 × 1,5 mm²) und tiefe Elektronikdosen verwenden.
Empfohlene Smart-Home-Systeme: Shelly, Bosch Smart Home, Loxone und KNX.
Bei Rohrmotoren empfehlenswert: Somfy als Premium-Marke.
Kosten Einzelsteuerung: ca. 250 € pro Antrieb (Rohrmotor 100 €, Jalousieschalter 20 €, Installation).
Smart-Home- und Zentralsteuerungen kosten deutlich mehr.
Von reinen Funkanbietern raten viele Praktiker ab – kabelgebundene Lösungen sind zuverlässiger.
Warum überhaupt eine elektrische Rolladensteuerung?
Manuelle Gurtwickler waren jahrzehntelang Standard – aber heute sind elektrische Rollläden in Neubauten praktisch immer dabei. Die Vorteile aus 30 Jahren Praxis:
Komfort: Per Knopfdruck statt täglich an jedem Fenster manuell hochziehen
Sichtschutz: Ungestörtes Leben in den eigenen vier Wänden
Sonnenschutz: Räume heizen im Sommer nicht so stark auf, Möbel bleichen nicht aus
Einbruchschutz: Geschlossene Rollläden erschweren das Eindringen durch Fenster erheblich
Wärmeschutz: Geschlossene Rollläden wirken als zusätzliche Dämmung – Energieeinsparung im Winter
Schallschutz: Nachts gegen Verkehrslärm und andere Geräusche
Sicherheit im Urlaub: Automatisches Öffnen und Schließen suggeriert Anwesenheit
Erste Grundsatzentscheidung: Welche Art der Steuerung?
Bevor Sie sich für ein konkretes Produkt entscheiden, müssen Sie eine grundsätzliche Frage klären: Welche Steuerungsart soll es überhaupt sein? Diese Entscheidung beeinflusst die komplette Installation – von der Verkabelung über die Wahl der Komponenten bis hin zum Budget.
💡 Drei grundlegende Wege:
Kabelgebundene Rolladensteuerung mit Jalousieschaltern – die klassische, einfache und günstigste Variante. Jeder Rollladen wird einzeln am Fenster geschaltet.
Kabelgebundene Zentralsteuerung – mehrere Rollläden lassen sich gruppiert oder zentral steuern, oft mit Zeitschaltuhr und Automatikfunktionen.
Smart-Home- und Funklösungen – per App, Sprachsteuerung oder vollautomatisch. Höchster Komfort, aber auch deutlich teurer.
Vor der Planung diese Frage klar entscheiden – ein nachträglicher Wechsel ist aufwendig und teuer.
Variante 1: Einzelsteuerung mit Jalousieschalter
Die Einzelsteuerung ist die klassische und kostengünstigste Variante: Jeder Rollladen hat seinen eigenen Jalousieschalter am Fenster oder neben der Tür. Auf-, Ab- und Stopp-Befehl per Hand.
Wann ist die Einzelsteuerung sinnvoll?
Räume mit nur einem Fenster (z. B. Schlafzimmer, Kinderzimmer, Bad)
Kleine Wohnungen mit wenigen Fenstern
Wenn der Rollladen auch mal tagsüber geschlossen werden soll (z. B. Kinderzimmer für den Mittagsschlaf)
Bei begrenztem Budget
Was Sie brauchen:
Elektronischer Rohrmotor in der Welle (empfehlenswert: Somfy)
Jalousieschalter mit Auf/Ab-Wippe (Markenhersteller Busch-Jaeger, Jung, Gira)
4-adriges Steuerkabel vom Motor zum Schalter (oder 5-adrig mit Zuleitung)
Kosten: Ca. 250 € pro Antrieb (Rohrmotor 100 €, Jalousieschalter mit Wippe 20 €, Installation).
Variante 2: Gruppensteuerung
Bei der Gruppensteuerung werden mehrere Rollläden von einer zentralen Stelle aus gemeinsam gesteuert. Sie können aber bei Bedarf trotzdem jeden Motor einzeln über einen eigenen Jalousietaster bedienen.
Wann ist die Gruppensteuerung sinnvoll?
Offene Wohn-Essbereiche mit mehreren großen Fensterfronten
Wenn alle Rollläden eines Raumes gemeinsam betätigt werden sollen
Erdgeschoss-Etagen mit vielen Fenstern Richtung Garten
Was Sie brauchen:
Gruppensteuergerät (Relais oder Steuereinheit im Verteiler)
Jalousietaster statt Jalousieschalter (da das Steuergerät den Befehl verarbeitet)
5-adrige Sternverkabelung von der Gruppeneinheit zu jedem Motor
Kosten: Pro Antrieb ca. 400 € (Steuereinheit, Rohrmotor, Kabel und Leitungen).
Variante 3: Zentralsteuerung mit Bussystem
Die Zentralsteuerung erlaubt es, alle Rollläden im Haus zentral oder individuell zu steuern – meist im Rahmen eines Bussystems wie KNX oder Loxone. Vollautomatische Programmierung, Zeitsteuerung, Wetterabhängigkeit, App-Bedienung – alles aus einer Zentrale.
KNX – der internationale Standard
KNX ist der weltweit anerkannte Standard für Gebäudeautomation. Vorteile:
Herstellerunabhängig – Produkte vieler Anbieter sind kombinierbar
Sehr stabil und auch in großen Anlagen problemlos einsetzbar
Hoher Wiederverkaufswert der Immobilie
Bewährte Technik seit Jahrzehnten
Nachteile: Hohe Einstiegskosten, sorgfältige Planung erforderlich, Verlegen zusätzlicher Bus-Leitungen mit Aufwand verbunden. KNX lohnt sich vor allem im Neubau oder bei umfassenden Sanierungen.
Loxone – das österreichische Komplettsystem
Loxone ist ein zentral gesteuertes System mit starker Software-Integration. Der Loxone Miniserver ist das Herzstück und kommuniziert mit allen Sensoren und Aktoren im Haus.
Vorteile:
Einfacher zu konfigurieren als KNX
Vergleichsweise kostengünstiger als KNX
Sehr leistungsfähig auch im Multimedia-Bereich
Eine einzige App für alles im Haus
Nachteile: In sich geschlossenes System – starke Abhängigkeit vom Hersteller Loxone.
⚡ KNX oder Loxone – die Faustregel:
KNX: Wenn Sie maximale Herstellerunabhängigkeit und langfristigen Investitionsschutz wollen. Eher etwas für Profis und größere Anlagen.
Loxone: Wenn Sie eine einfachere Konfiguration und ein günstigeres Komplettsystem suchen. Für anspruchsvolle Privathäuser oft die bessere Wahl.
Variante 4: Smart-Home- und Funklösungen
Smart-Home-Systeme ohne aufwendige Verkabelung sind besonders interessant für die Nachrüstung in Bestandsgebäuden. Sie nutzen meist Funk- oder WLAN-Kommunikation.
Empfohlene Anbieter aus 30 Jahren Praxis
Shelly – Sehr gut für gezielte Smart-Home-Anwendungen. Kleine Aktoren werden direkt in die Schalterdose eingebaut, lassen sich über App und Sprachsteuerung bedienen.
Bosch Smart Home – Solides Komplettsystem mit guter App, breite Produktpalette, gute Integration verschiedener Gewerke.
Somfy – Großer Hersteller mit eigenem Funk-System „io-homecontrol“ für die Rolladensteuerung. Auch klassische Funkmotoren für Nachrüstung.
🚫 Vorsicht bei reinen Funk-Anbietern: Im Internet werden günstige Funk-Rolladensteuerungen angeboten, die Aufmerksamkeit verdienen sollten:
Funkverbindungen sind anfälliger für Störungen als Kabel
Bei Batterie-betriebenen Sendern: regelmäßiger Wechsel nötig
Anbieter-Lebensdauer ungewiss – wenn der Hersteller pleitegeht, gibt es keine Ersatzteile mehr
Sicherheitsrisiken bei schlecht verschlüsselten Funksystemen
Aus meiner Praxis-Sicht: Wenn möglich, immer kabelgebundene Lösung bevorzugen. Funk nur dann, wenn keine Kabelverlegung möglich ist.
Häufige Fehler bei der Planung – die typischen Stolperfallen
🚫 Aus 30 Jahren Praxis – die typischen Planungs-Fehler:
Zu wenige Adern verlegt: Wer nur 3- oder 4-adrige Leitungen verlegt, hat später keine Reserven für Erweiterungen. Empfehlung: mindestens 5 × 1,5 mm² zu jeder Schaltstelle.
Keine tiefen Dosen oder besser Elektronikdosen verwendet: Bei Smart-Home-Aktoren oder Funkempfängern wird der Platz in der Schalterdose schnell knapp. Im Neubau immer tiefe Dosen (mindestens 61 mm) oder spezielle Elektronikdosen einsetzen.
Fehlende Kabel für Sensoren: Bei Wetterstationen (Wind, Regen, Dämmerung) muss eine Verkabelung zur zentralen Steuerung vorhanden sein. Wird oft vergessen.
Keine Klemmdose neben dem Rollladenkasten: Das vieradrige Steuerkabel des Rohrmotors ist meist zu kurz. Eine Klemmdose neben dem Kasten ist zur Verlängerung Pflicht – sonst muss gestemmt werden.
System ohne Plan kombiniert: KNX-Geräte mit reinen Funkkomponenten anderer Hersteller mischen führt oft zu Kompatibilitätsproblemen. Vorab ein Gesamtkonzept festlegen.
Falsche Steuerungs-Variante gewählt: Einzelsteuerung im offenen Wohnbereich mit 4 Fenstern ist im Alltag mühsam. Hier wäre Gruppensteuerung sinnvoller gewesen.
Spätere Nachrüstung unterschätzt: Wer im Neubau spart, zahlt bei der Nachrüstung das Vielfache (Stemmen, Tapeten, Maler-Folgekosten).
Empfehlungen für den Rohrmotor
Der Rohrmotor ist das Herzstück jeder elektrischen Rolladensteuerung. Hier sollten Sie auf Qualität achten:
Somfy – Marktführer, sehr zuverlässig, gute Ersatzteilversorgung
Becker – Deutsche Marke, robust, gute Garantieleistungen
Schellenberg – Solide Mittelklasse mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis
Wichtige Auswahlkriterien:
Zugkraft (Nm) – muss zum Rollladengewicht passen (z. B. 10 Nm für ca. 3 m² Behang)
Mit oder ohne integrierte Endabschaltung – elektronische Endabschaltung ist heute Standard
Funkmotor oder klassisch verkabelt – je nach Steuerungskonzept
Nachrüstung in bestehenden Gebäuden
Auch in bestehenden Gebäuden ohne vorhandene elektrische Rollläden ist eine Nachrüstung möglich. Es gibt drei Hauptwege:
Elektrischer Gurtwickler: Bestehender mechanischer Gurtwickler wird gegen elektrischen ausgetauscht. Einfachste Lösung, kein Eingriff in die Welle nötig. Preis: 80–200 €.
Rohrmotor in die Welle einbauen: Aufwendiger, aber langfristig die saubere Lösung. Preis: 100–350 € pro Motor.
Funk-Rohrmotor: Wenn keine Kabel verlegt werden können – Funkmotor in die Welle, gesteuert per Funkhandsender. Preis: ca. 130 € Motor + 50 € Handsender.
Eine ausführliche Anleitung zur Nachrüstung finden Sie unter Elektrische Rollläden nachrüsten. Wenn ein bereits installierter Rohrmotor defekt ist und ausgetauscht werden muss, hilft der Artikel Rolladenmotor wechseln.
Häufige Fragen zur Rolladensteuerung (FAQ)
Welche Rolladensteuerung ist die beste?
Das hängt von Ihren Anforderungen ab. Für Einzelräume reicht oft die einfache Einzelsteuerung mit Jalousieschalter. Für offene Wohnbereiche ist die Gruppensteuerung sinnvoll. Wer hohen Komfort und Vollautomatik möchte, sollte eine Zentralsteuerung mit KNX oder Loxone planen – das ist die zukunftssicherste Variante.
Was kostet eine elektrische Rolladensteuerung?
Eine einfache Einzelsteuerung mit Rohrmotor und Jalousieschalter kostet etwa 250 € pro Antrieb (inkl. Installation). Gruppensteuerungen liegen bei ca. 400 € pro Antrieb. Smart-Home- und KNX-Zentralsteuerungen kosten 500–700 € pro Antrieb plus die Bus-Infrastruktur.
Welcher Rohrmotor ist empfehlenswert?
Aus meiner Praxis empfehle ich Somfy als Premium-Marke, Becker als robuste deutsche Alternative und Schellenberg im mittleren Preissegment. Wichtig: die Zugkraft (Nm) muss zum Rollladengewicht passen.
KNX oder Loxone – was ist besser?
KNX ist der internationale Standard mit größter Herstellerunabhängigkeit, dafür aufwendiger zu konfigurieren. Loxone ist einfacher und günstiger, aber ein in sich geschlossenes System. Für anspruchsvolle Privathäuser ist Loxone oft die pragmatischere Wahl, für maximale Investitionssicherheit KNX.
Lohnt sich eine Funklösung?
Bei Nachrüstungen ohne Möglichkeit zur Kabelverlegung ja. In Mietwohnungen, wo der Vermieter keine Stemmarbeiten erlaubt, auch. Im Neubau und bei umfassenden Sanierungen rate ich aber zu kabelgebundenen Lösungen – sie sind zuverlässiger und langlebiger.
Was ist der Unterschied zwischen Jalousieschalter und Jalousietaster?
Der Jalousieschalter rastet ein und schaltet den Motor bis zur Endposition. Der Jalousietaster muss gedrückt gehalten werden – er sendet nur Impulse an eine zentrale Steuerung. Für Einzelsteuerung den Schalter, für Gruppen- und Zentralsteuerung den Taster verwenden. Mehr dazu unter Jalousieschalter anschließen.
Kann ich die Rolladensteuerung selbst installieren?
Den mechanischen Einbau des Rohrmotors kann ein geübter Heimwerker selbst übernehmen. Den elektrischen Anschluss an das 230-V-Netz darf nach § 13 NAV nur eine Elektrofachkraft durchführen. Bei Smart-Home-Systemen kommt zusätzlich noch die Konfiguration dazu – hier lohnt sich der Fachmann.
Wie viele Adern muss ich verlegen?
Mindestens 5 × 1,5 mm² zu jeder Schaltstelle – das gibt Reserven für spätere Erweiterungen. Bei geplanter Gruppen- oder Zentralsteuerung ggf. mehr. Tiefe Schalterdosen oder Elektronikdosen unbedingt einplanen.
Welche Steuerung ist für den Urlaub am besten?
Eine Zeitschaltuhr oder Zufallsfunktion in der Zentralsteuerung simuliert Anwesenheit. KNX, Loxone und gute Smart-Home-Systeme bieten alle solche Modi. Für die Einzelsteuerung gibt es Aufsteckmodule mit Zeitschaltung – die sind aber weniger komfortabel.
Lassen sich Rollläden auch per Smartphone steuern?
Ja, bei Smart-Home-Systemen wie Shelly, Bosch Smart Home, Loxone oder Somfy io-homecontrol. Auch KNX-Systeme lassen sich per App bedienen, wenn eine entsprechende Schnittstelle (z. B. Visualisierungs-Server) vorhanden ist.
Die elektrische Rolladensteuerung ist heute aus modernen Wohnhäusern nicht mehr wegzudenken. Welches System für Sie das richtige ist, hängt vor allem von zwei Fragen ab: Wie viel Komfort wollen Sie – und welches Budget steht zur Verfügung?
Mein Rat aus 30 Jahren Praxis: Klären Sie vor der Planung die Grundsatzfrage – einfache Einzelsteuerung, Zentralsteuerung mit Bussystem oder Smart-Home-Lösung. Im Neubau immer ausreichend Adern verlegen (mindestens 5 × 1,5 mm²) und tiefe Elektronikdosen verwenden. Bei Markenherstellern setzen – Somfy bei Rohrmotoren, Shelly oder Bosch Smart Home bei Smart-Home, Loxone oder KNX bei Vollautomation. Von reinen Funk-Anbietern unbekannter Marken rate ich klar ab – die zuverlässige kabelgebundene Lösung ist meist die bessere Wahl.
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Arbeiten an elektrischen Anlagen sind nach § 13 der Niederspannungsanschlussverordnung (NAV) und DIN VDE 0100 ausschließlich eingetragenen Elektrofachkräften vorbehalten und können bei unsachgemäßer Ausführung lebensgefährlich sein. Diese Anleitung ersetzt keine fachgerechte Installation durch einen Elektrofachbetrieb.
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