Der Stromkreisverteiler – auch Unterverteiler, Sicherungskasten, Stromkasten oder Verteilerkasten genannt – ist das Herzstück jeder Elektroinstallation. Hier kommen alle Stromkreise zusammen, hier werden sie abgesichert, hier wird geschaltet. Aus 30 Jahren Elektriker-Praxis zeige ich Ihnen in diesem Ratgeber den Aufbau eines modernen Verteilers, welche Bauelemente eingebaut werden, welche Anforderungen die Norm DIN 43880 vorgibt und worauf Sie als Bauherr unbedingt achten sollten – damit Ihr Verteiler auch in 20 Jahren noch ausreichend Platz für Erweiterungen hat.
⚡ Das Wichtigste in Kürze:
Der Stromkreisverteiler ist die zentrale Schalt- und Schutzstelle für alle Stromkreise im Haus.
Im Einfamilienhaus meist im Hausanschlussraum kombiniert mit dem Zählerschrank.
Genormt nach DIN 43880 mit standardisierten Einbau-Hüllmaßen.
Der Stromkreisverteiler ist der zentrale Schaltschrank in der Elektroinstallation. Seine Hauptaufgabe: Die vom Stromzähler kommende elektrische Energie auf die einzelnen Stromkreise im Gebäude aufteilen, dabei jeden Kreis absichern und schaltbar machen.
Umgangssprachlich gibt es viele Namen für das gleiche Gerät:
Unterverteiler – wenn er einem Hauptverteiler nachgeschaltet ist
Sicherungskasten – aus früherer Zeit, als noch Schmelzsicherungen verbaut waren
Verteilerkasten oder Stromkasten – im Sprachgebrauch
Wohnungsverteiler – speziell bei Mehrfamilienhäusern
Kleinverteiler – nach Norm DIN 43880 bei begrenztem Umfang
Hauptverteiler vs. Unterverteiler
In Gebäuden gibt es oft eine zweistufige Verteilung:
Hauptverteiler: Empfängt die elektrische Energie vom Netzanschluss und verteilt sie auf verschiedene Unterverteiler im Gebäude
Unterverteiler: Verteilt die Energie weiter auf die einzelnen Stromkreise innerhalb eines bestimmten Bereichs oder Stockwerks
Im Einfamilienhaus sind Stromkreisverteiler und Zählerplatz oft in einem gemeinsamen Schrank zusammengefasst. Bei Mehrfamilienhäusern hat jede Wohnung in der Regel einen eigenen kleineren Unterverteiler, der mit dem Hauptverteiler im Hausanschlussraum verbunden ist.
Aufgaben des Stromkreisverteilers
Der Stromkreisverteiler erfüllt mehrere wichtige Funktionen gleichzeitig:
Aufgabe
Bedeutung
Stromverteilung
Aufteilung der Energie vom Zähler auf einzelne Stromkreise
Strukturierte Anordnung der Stromkreise mit klarer Beschriftung
Wartung & Fehlersuche
Schnelle Lokalisierung von Defekten möglich
Erweiterbarkeit
Platzreserve für spätere Nachrüstungen
Bauelemente im Stromkreisverteiler
Im modernen Stromkreisverteiler werden verschiedene Komponenten zu einem Gesamtsystem kombiniert. Hier die wichtigsten Bauelemente:
Hauptschalter und Hauptsicherung
Der Hauptschalter trennt den gesamten Verteiler allpolig vom Netz – Pflicht bei Wartungsarbeiten. Die Hauptsicherung begrenzt den Gesamtstrom des Hauses (im Einfamilienhaus typisch 35 A oder 50 A Selektivität).
FI-Schutzschalter (RCD – Residual Current Device)
Der FI-Schutzschalter ist die wichtigste Schutzeinrichtung gegen gefährliche Berührungsströme:
Misst die Differenz zwischen hin- und rückfließendem Strom
Bei Differenzen über 30 mA (Personenschutz) löst er innerhalb 200 ms aus
Seit 2007 für Bäder Pflicht, seit 2009 für alle Steckdosen bis 32 A
Typen: Typ A (Standard), Typ F (für moderne Elektronik), Typ B (für Wallbox)
Leitungsschutzschalter (LS – Sicherungsautomaten)
Der LS schützt jeden Stromkreis vor Überlast und Kurzschluss:
Charakteristik B für normale Verbraucher (Beleuchtung, Steckdosen)
Charakteristik C für Motoren und hohe Anlaufströme
Bemessungsströme B10A, B13A, B16A, B25A – je nach Stromkreis und Leitungsquerschnitt
Bemessungs-Ausschaltvermögen 6 kA als Mindestanforderung im Wohnungsbau
Strombegrenzungsklasse 3 – schnellste Auslösung im Fehlerfall
FI/LS-Kombinationen
Kombinieren beide Schutzfunktionen in einem Modul – ideal für einzelne Stromkreise mit besonderen Anforderungen (Kinderzimmer, Computer-Arbeitsplatz, Wallbox).
Überspannungsschutz
Schützt die Elektroanlage und angeschlossene Geräte vor Überspannungen aus dem Netz oder durch Blitzeinschlag:
Typ 1 – grober Schutz bei direktem Blitzeinschlag (Pflicht bei Gebäuden mit Blitzschutzanlage)
Typ 2 – mittlerer Schutz – heute Standard im Hauptverteiler
Typ 3 – Feinschutz – direkt vor empfindlichen Geräten
Aus 30 Jahren Praxis: Mindestens Typ 2 sollte heute in jedem Verteiler verbaut sein.
Schaltschütze und Zeitschalter
Schaltschütze – Lasttrennschalter für Großverbraucher oder gesteuerte Stromkreise
Zeitschalter – z. B. für Treppenhaus-Beleuchtung, Außenbeleuchtung
Dämmerungsschalter – automatische Steuerung über Lichtsensor
Stromstoßrelais (Eltako) – für Taster-Schaltungen mit vielen Schaltstellen
Klemmleisten und Verteilschienen
N-Klemmen – Sammelschiene für Neutralleiter
PE-Klemmen – Sammelschiene für Schutzleiter
Phasenschienen – Verbindung zwischen den LS-Schaltern auf gleicher Phase
Standardisierung – DIN 43880
Alle Bauelemente im Stromkreisverteiler haben standardisierte Hüllmaße nach DIN 43880. Das bedeutet: Module verschiedener Hersteller passen in den gleichen Verteilerschrank.
Modulbreite: 18 mm pro Teilungseinheit (TE)
Anzahl Module pro Reihe: typisch 12, 14 oder 18 TE
Anzahl Reihen: bei Hager-Kleinverteilern z. B. 1–4 Reihen
💡 Hager als Top-Marke: Aus 30 Jahren Praxis ist Hager für mich die führende Marke bei Stromkreisverteilern. Die Qualität ist hervorragend, die Module passen perfekt zusammen, die Ersatzteilversorgung ist auch in 20 Jahren noch gegeben. Weitere empfehlenswerte Hersteller: ABB, Siemens, Eaton. Von Billigware unbekannter Marken rate ich klar ab – im Verteiler wird gespart, was später teuer wird.
Unterverteiler Haus Verkabelung
Anforderungen an den Stromkreisverteiler
Standort
Der Stromkreisverteiler sollte sein:
Gut zugänglich – nicht hinter Möbeln oder in dunklen Ecken
Frei begehbar – mindestens 70 cm freier Bedienraum davor
Trocken – nicht in Feuchträumen oder Außenbereichen ohne IP-Schutz
Belüftet – ausreichende Wärmeabfuhr für die eingebauten Geräte
In Nähe des Hausanschlusses – kurze Zuleitungen, weniger Verluste
In Räumen ohne erhöhte Brandlast – nicht im Heizraum mit Brennstofflager
Schutzklasse und Sicherheit
Schutzklasse mindestens IP30 in Wohnräumen (Schutz gegen feste Fremdkörper)
IP44 oder höher in feuchten Bereichen oder Außenmontage
Berührungsschutz bei geöffneter Tür – keine spannungsführenden Teile frei zugänglich
Verriegelbar – Schutz vor unbefugtem Zugriff
Übersichtliche Anordnung
Aus 30 Jahren Praxis hier die wichtigsten Regeln:
Klare Beschriftung jedes Stromkreises – mit Raumzuordnung
Strukturierte Aufteilung – nach Stockwerken, Bereichen oder Verbrauchergruppen
Gleichmäßige Lastverteilung auf die drei Phasen L1, L2, L3
Reserve-Module – mindestens 30 % freie Plätze für spätere Erweiterungen
Schaltplan in der Innenseite der Tür – wichtige Info im Fehlerfall
⚡ Mein wichtigster Praxis-Tipp:Im Neubau immer mit Platzreserve planen! Wer heute einen 36-Modul-Verteiler einbaut und alle Plätze belegt, hat in 5–10 Jahren Stress. Wallbox, Wärmepumpe, PV-Anlage – das alles braucht Platz im Verteiler. Mein Standard heute: Mindestens 4-reihiger Verteiler, davon eine Reihe komplett frei für spätere Erweiterungen.
Vorteile eines guten Stromkreisverteilers
Ein durchdacht aufgebauter und ausreichend dimensionierter Stromkreisverteiler bietet zahlreiche Vorteile:
Kurze Leitungswege zu den Verbrauchsstellen – weniger Spannungsverlust, weniger Material
Separate Absicherung einzelner Stromkreise – nur betroffene Bereiche fallen aus
Bessere Übersicht bei Fehlersuche und Wartung
Schnelles Abschalten einzelner Bereiche möglich
Übersichtliche Einteilung nach Stromkreisen, Großgeräten und Wohneinheiten
Separate Absicherung von technischer Versorgung (Heizung, Lüftung)
Der Stromkreisverteiler ist der zentrale Schaltschrank in der Elektroinstallation, in dem alle Stromkreise zusammenkommen, abgesichert und schaltbar gemacht werden. Wird auch Unterverteiler, Sicherungskasten oder Stromkasten genannt.
Was ist der Unterschied zwischen Hauptverteiler und Unterverteiler?
Der Hauptverteiler empfängt die elektrische Energie vom Netzanschluss und verteilt sie auf verschiedene Unterverteiler im Gebäude. Der Unterverteiler verteilt die Energie weiter auf die einzelnen Stromkreise eines Bereichs oder Stockwerks.
Welche Marke ist bei Stromkreisverteilern empfehlenswert?
Aus 30 Jahren Praxis empfehle ich Hager als Top-Marke. Weitere gute Hersteller: ABB, Siemens, Eaton. Von No-Name-Modulen rate ich klar ab – am Verteiler darf nicht gespart werden.
Was kostet ein moderner Stromkreisverteiler?
Bei einem Einfamilienhaus mit Standard-Ausstattung 1.400–2.500 € inklusive Material und Arbeit. Bei höherer Ausstattung mit Wallbox, PV-Anlage und Wärmepumpe 2.500–4.000 €.
Wie viele Module brauche ich im Verteiler?
Bei einem 150-qm-Einfamilienhaus typisch 36–54 Module verteilt auf 3–4 Reihen. Aus Praxis-Sicht: Immer mindestens 30 % Reserve einplanen für spätere Erweiterungen wie Wallbox oder PV-Anlage.
Wo wird der Stromkreisverteiler montiert?
Im Einfamilienhaus meist im Hausanschlussraum, kombiniert mit dem Zählerschrank. Gut zugänglich, in trockener Umgebung, ausreichend belüftet. Mindestens 70 cm Bedienraum davor freihalten.
Was ist die Norm DIN 43880?
Die DIN 43880 standardisiert die Hüllmaße von Installationseinbaugeräten – also die Bauelemente, die im Verteiler eingebaut werden. Dadurch passen Module verschiedener Hersteller in den gleichen Verteilerschrank.
Welche Schutzeinrichtungen sind heute Pflicht?
FI-Schutzschalter für alle Steckdosen-Stromkreise (seit 2009). Leitungsschutzschalter mit 6 kA Bemessungs-Ausschaltvermögen und Strombegrenzungsklasse 3. Eigener FI für das Bad (seit 2007). Überspannungsschutz Typ 2 wird heute praktisch immer eingebaut.
Kann ich den Verteiler später erweitern?
Ja, sofern Platzreserve vorhanden ist. Bei einem zu klein dimensionierten Verteiler ist die Erweiterung aufwendig und teuer. Daher im Neubau immer 30 % Reserve einplanen.
Wie ist der Aufbau bei mehreren Wohneinheiten?
Hauptverteiler im Hausanschlussraum, separater Zähler pro Wohnung, Unterverteiler pro Wohnung mit den zugehörigen Stromkreisen. So bleibt die Verteilung übersichtlich und jede Wohnung hat ihre eigene Absicherung.
Der Stromkreisverteiler ist das Herzstück jeder Elektroinstallation – und einer der Bereiche, an denen Bauherren auf keinen Fall sparen sollten. Was hier verbaut wird, soll 30 Jahre und länger zuverlässig funktionieren.
Mein Rat aus 30 Jahren Praxis: Verteiler ausreichend groß dimensionieren – mindestens 4-reihig mit 30 % Reserve. Auf Markenhersteller setzen – Hager, ABB, Siemens oder Eaton sind die zuverlässigen Optionen. Überspannungsschutz Typ 2 einbauen – auch wenn er Geld kostet, schützt er bei einem Vorfall die ganze Elektroanlage und alle angeschlossenen Geräte. Saubere Beschriftung und Schaltplan in der Tür – das spart bei jeder Wartung Zeit und Nerven.
Wie die einzelnen Stromkreise sinnvoll geplant werden und wie viele Sie wirklich brauchen, lesen Sie unter Stromkreis – Grundlagen und Planung.
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