Kabel einziehen ist eine der Tätigkeiten, die im Rohbau geplant werden und sich später bei jedem Erweiterungsschritt auszahlen. Wer Leerrohre verlegt hat, kann Kabel und Datenleitungen nach dem Verputzen, nach der Inbetriebnahme oder Jahre später nachträglich einziehen. Wer keine Leerrohre verlegt hat, muss stemmen, fräsen oder verputzen. Dieser Praxis-Ratgeber zeigt aus 30 Jahren Erfahrung, wie Kabel sicher ins Leerrohr eingezogen werden, welches Werkzeug es erleichtert (Einziehfeder, Kati-Blitz, Glasfaserstab), wie man bei schwierigen Strecken vorgeht und welche typischen Fallen es gibt.
Die Grundregel:NIE ein Kabel ohne Einziehhilfsmittel ins Rohr stopfen. Das endet immer im Steckenbleiben. Mit Einziehfeder oder Kati-Blitz vorab führen – dann das Kabel daran befestigen und zurückziehen.
⚡ Das Wichtigste in Kürze:
Leerrohre (DN 25, 32, 50, 75) sind die Voraussetzung – im Rohbau immer großzügig planen.
Gleitmittel (Talkum oder spezielles Einziehgel) bei langen Strecken oder vielen Bögen.
Reserve-Länge an beiden Enden: 30 cm im Verteilerkasten, 15 cm in der UP-Dose.
Kabel und Einziehhilfsmittel verbinden: mit Klebeband umwickeln oder spezieller Adapter.
Zu zweit arbeiten: einer zieht, der andere führt locker nach.
Niemals mit Gewalt – wenn es klemmt: zurück und nach Ursache suchen.
Maximal 3 Bögen pro Strecke – dann wird Einziehen schwierig.
Rohrdurchmesser an die Kabel anpassen: NYM-J 5×2,5 in DN 25, mehrere Kabel in DN 32.
Warum überhaupt Leerrohre?
Bei modernen Elektroinstallationen werden Kabel nicht mehr direkt in den Putz oder Beton eingelegt – sondern in Leerrohren (auch „Installationsrohren“ oder „M-Rohren“ genannt). Vorteile:
Späterer Kabeltausch ohne Aufstemmen möglich
Nachträgliche Erweiterung mit zusätzlichen Kabeln
Mechanischer Schutz für die Kabel
Bei Schaden: schnelle Reparatur ohne Aufwand
Trennung Stark- und Schwachstrom: jedes in eigenes Rohr
Im Rohbau ist Leerrohr-Planung der wichtigste Schritt. Wer großzügig plant – auch über das aktuelle Bedürfnis hinaus – hat 20 Jahre Ruhe.
Werkzeug für das Kabeleinziehen
Werkzeug
Stärken
Geeignet für
Einziehfeder (Stahl)
Steif, schiebt sich durch enge Rohre
Kürzere Strecken bis ca. 10 m
Kati-Blitz / Nylonband
Flexibel, gleitet gut
Lange Strecken, mehrere Bögen
Glasfaser-Einziehstab
Sehr steif, schiebt sich auch um Bögen
Schwierige Strecken bis 30 m
Gleitmittel (Talkum / Einziehgel)
Reduziert Reibung im Rohr
Lange Strecken, viele Kabel
Einziehzange
Hält die Einziehfeder beim Schieben/Ziehen
Ergonomie bei langen Strecken
Endmuffen für Einziehfeder
Verhindern, dass die Feder im Rohr stecken bleibt
Sicheres Vorschieben
💡 Praxis-Tipp: Bei jedem Leerrohr-Verlegen im Rohbau gleich eine Zugschnur (Reißfestes Polypropylen-Seil oder dünner Stahldraht) mit einlegen. Dann lassen sich später Kabel oder Einziehfeder einfach an der Schnur befestigen und durchziehen. Kostet wenige Cent, spart später eine Stunde Arbeit.
Leerrohre planen – die richtige Größe
Rohr-Durchmesser
Kabel-Belegung
Anwendung
DN 16 / DN 20
1 NYM-J 3×1,5
Lampe (selten verwendet)
DN 25
1 NYM-J 5×2,5 oder 2 dünnere Kabel
Standard für Wohnungs-Steckdose
DN 32
2–4 NYM-J + Datenleitung
Kombi-Trasse (Strom + Daten)
DN 50
5–8 Kabel
Steigleitung pro Stockwerk
DN 75
10+ Kabel
Hauptrohr Kellerverteilung
Wichtige Faustregel zur Füllgrade:
Bei Neuverlegung: Rohr darf maximal zu 40 % mit Kabeln belegt sein.
Bei nachträglicher Einziehung: lieber nur 30 % belegen – dann gleiten die Kabel besser.
Bei vielen Bögen: lieber eine Nummer größeres Rohr wählen.
Kabel einziehen – Schritt für Schritt
Schritt 1: Einziehhilfsmittel vorbereiten
Einziehfeder, Kati-Blitz oder Glasfaserstab bereitlegen. Bei langen Strecken (über 5 m) lieber das flexiblere Nylonband oder den Glasfaserstab verwenden – die Stahlfeder ist bei vielen Bögen schwierig.
Bei vorhandener Zugschnur im Leerrohr: einfach das Kabel daran befestigen und durchziehen – Schritt 2 überspringen.
Schritt 2: Einziehhilfsmittel durchschieben
Einziehfeder am ersten Ende des Leerrohrs einführen und vorsichtig schieben. Bei jedem Bogen langsamer werden – nicht mit Gewalt drücken.
Tipp: Bei schwierigen Stellen die Feder drehen während des Schiebens – das hilft, um Engstellen zu kommen.
Wenn die Feder am anderen Ende ankommt: Glück gehabt. Wenn sie steckenbleibt: Ursache suchen (siehe „Was tun bei Hindernissen“).
Schritt 3: Kabel an Einziehhilfsmittel befestigen
Klassische Methode mit Klebeband:
Das Kabelende und die Endöse der Einziehfeder nebeneinander legen
Mit Isolier- oder Gewebeklebeband fest und glatt umwickeln
Die Verbindung muss schlank sein – darf das Rohrlumen nicht ausfüllen
Kein scharfer Übergang – sonst klemmt es beim Durchziehen
Profi-Methode: Mit speziellen Kabel-Adaptern, die in die Endöse der Einziehfeder geschoben werden. Schneller und mehrfach verwendbar.
Schritt 4: Gleitmittel auftragen
Bei langen Strecken oder vielen Kabeln: Gleitmittel auf das Kabel auftragen. Optionen:
Talkum: klassisch, in Pulverform
Einziehgel: modern, in Tube oder Spray
Kein Seife oder Spülmittel: greift Aderisolierung an
Gleitmittel auf der gesamten Länge auftragen – nicht nur am Eingang.
Schritt 5: Kabel einziehen – zu zweit arbeiten
Person A am Ausgangs-Ende zieht die Einziehfeder mit Kabel.
Person B am Einführungs-Ende führt das Kabel locker nach – KEIN Zug aufbauen, nur sanftes Nachschieben.
Niemals mit Gewalt ziehen – wenn es klemmt, kurz zurück und nochmal versuchen.
Bei Widerstand: Kabel um 1/4 Umdrehung drehen – manchmal hilft das.
Allein arbeiten ist möglich, aber deutlich anstrengender und fehlerträchtiger – besonders bei langen Strecken.
Schritt 6: Reserve-Länge einplanen
Beim Einziehen darauf achten, dass an beiden Enden ausreichend Reserve übersteht:
30 cm im Verteilerkasten – für sauberes Verlegen der Adern
15 cm in der UP-Dose – für Anpassungen und Reparaturen
50 cm bei Decken-Anschlüssen – bei späterer Lampen-Aufhängung Gold wert
Schritt 7: Zugschnur neu einlegen
Nach dem Durchziehen: Wieder eine Zugschnur einlegen! Das ist essentiell für zukünftige Erweiterungen.
Die einfachste Methode: An die letzte Einziehfeder-Position ein Schnurende anbinden und mit durchziehen. Die Schnur bleibt dann im Rohr, sobald das Kabel an seinem Platz ist.
Was tun bei Hindernissen?
Die Einziehfeder bleibt stecken
Mögliche Ursachen:
Mörtel oder Betonbrocken im Rohr (häufig beim Rohbau)
Geknicktes Rohr (bei zu engem Verlegen)
Zu enger Bogen
Anderes Kabel im Weg (mehrere Kabel im selben Rohr)
Lösungen:
Feder vorsichtig zurückziehen und nochmal versuchen
Von beiden Seiten einschieben – wo die beiden Federn sich treffen, ist das Problem
Bei dauerhaftem Stopp: Rohr aufstemmen, Hindernis beseitigen
Kabel einziehen mit Schnur
Das Kabel klemmt beim Durchziehen
Mögliche Ursachen:
Klebeband-Verbindung zu dick
Rohr zu voll
Kabel zu trocken ohne Gleitmittel
Bogen zu eng – Kabel kann nicht um die Ecke
Lösungen:
Kurz zurück – nicht mit Gewalt ziehen, sonst Aderbruch
Gleitmittel auf das Kabel auftragen
Bei dünneren Rohren: ein Kabel zur Zeit, nicht mehrere parallel
Ein Rohr ist nicht durchgängig
Schlimmster Fall: Das Rohr wurde im Rohbau gequetscht, geknickt oder versehentlich getrennt. Hier hilft nur:
Mit Kabel-Suchgerät die Trennstelle lokalisieren
Wand öffnen
Rohr reparieren oder umverlegen
Mehrere Kabel gleichzeitig einziehen
Bei Steigleitungen oder Datenleitungen oft mehrere Kabel im selben Rohr. Wichtig:
Maximal Füllgrad 40 % einhalten
Gleichzeitig einziehen ist besser als nacheinander
Kabel parallel ans Einziehhilfsmittel binden – nicht ineinander verdrillen
Stark- und Schwachstrom trennen: NYM-J und CAT-Kabel idealerweise in getrennte Rohre
🚫 Stark- und Schwachstrom NICHT gemeinsam: NYM-J und CAT-Datenkabel im selben Rohr verlegen führt zu elektromagnetischen Störungen im Netzwerk. Mindestens 20 cm Abstand oder eigenes Rohr für die Datenleitung.
Häufige Fehler aus 30 Jahren Praxis
🚫 Typische Fehler beim Kabel einziehen:
Mit Gewalt gezogen – Aderbruch im Kabel, Wackelkontakt nach Jahren
Kein Gleitmittel bei langer Strecke – Kabel-Mantel beschädigt durch Reibung
Allein gearbeitet – Kabel knickt am Eingang, sieht ordentlich aus, hat aber Bruchstelle
Zu viele Kabel in zu engem Rohr – Überlast, Kabel quetscht sich gegenseitig
Kein Zugschnur eingelegt – nächste Erweiterung wird Stemmarbeit
Stahlfeder bei sehr vielen Bögen – steckenbleibt, Glasfaser wäre besser
Stark- und Schwachstrom zusammen – Datennetz-Störungen
Kabel-Klebeband zu dick – Verbindung blockiert im Rohr
Reserve-Länge vergessen – an der UP-Dose wird’s eng beim Anschluss
Talkum im Datenkabel-Rohr – kann bei CAT-Kabeln die Schirmung beeinträchtigen
Bei Rohrübergang nicht aufgepasst – Kabelmantel scheuert sich auf
Mindestens eine Einziehfeder (Stahl, ca. 10–20 €) oder ein Kati-Blitz (Nylonband, ca. 15–30 €). Bei längeren Strecken lohnt sich ein Glasfaser-Einziehstab (40–80 €). Plus Klebeband zum Befestigen.
Kann ich Kabel ohne Werkzeug einziehen?
Bei sehr kurzen Strecken (unter 2 m, gerade) ja – einfach durchschieben. Bei längeren Strecken oder mit Bögen ohne Werkzeug fast unmöglich.
Wie lang darf ein Leerrohr maximal sein?
Technisch keine Grenze, praktisch bis ca. 20 m problemlos. Darüber wird das Einziehen schwierig – dann mit zusätzlichem Zwischenkasten arbeiten.
Wie viele Bögen sind zulässig?
Maximal 3 Bögen pro Strecke. Mehr Bögen machen das Einziehen mit Einziehfeder schwierig. Bei mehr Bögen: Zwischenkasten einfügen.
Was ist ein Kati-Blitz?
Ein Markenname für ein Nylonband (Polypropylen) mit verstärkter Endöse zum Kabeleinziehen. Sehr flexibel, gleitet gut durch Bögen, ideal für lange Strecken.
Brauche ich Gleitmittel?
Bei kurzen Strecken ohne viele Kabel nicht zwingend. Bei langen Strecken (über 5 m) oder mehreren Kabeln in einem Rohr: ja. Talkum oder spezielles Einziehgel.
Kann ich Kabel nachträglich einziehen?
Ja, wenn Leerrohre verlegt wurden. Ohne Leerrohre nur durch Stemmen oder neue Trassen. Deshalb im Rohbau immer Leerrohre einplanen.
Was ist der Unterschied zwischen Einziehfeder und Kati-Blitz?
Einziehfeder: Stahl, steif, schiebt sich gut durch kurze Strecken und einzelne Bögen. Kati-Blitz: Nylon, flexibel, ideal für lange Strecken und viele Bögen.
Warum bleibt mein Kabel im Rohr stecken?
H�ufige Ursachen: 1) Rohr zu voll, 2) zu enger Bogen, 3) Mörtel-Hindernis im Rohr, 4) Klebeband-Verbindung zu dick. Lösung: zurück, Ursache prüfen, ggf. von der anderen Seite ansetzen.
Welche Rohr-Größe für welches Kabel?
1 NYM-J 5×2,5 in DN 25, 2–4 Kabel in DN 32, Steigleitungen mit mehreren Kabeln in DN 50 oder DN 75.
Wie viel Reserve-Länge sollte ich lassen?
30 cm im Verteilerkasten, 15 cm in der UP-Dose, 50 cm bei Decken-Anschlüssen für spätere Lampen-Aufhängung.
Sollte ich beim Einziehen Handschuhe tragen?
Ja, besonders bei langen Stahlfedern – die Klingen können scharf sein. Auch beim Ziehen schweißnasser Kabel verbessern Handschuhe den Griff.
Kann ich auch Datenleitungen ins gleiche Rohr wie Strom einziehen?
Nicht empfohlen. Mindestens 20 cm Abstand zwischen Stark- und Schwachstrom. Idealerweise getrennte Rohre.
Was tun, wenn die Einziehfeder im Rohr abreißt?
Mit Magnet von außen suchen (bei oberflächennaher Verlegung) oder von beiden Seiten mit Einziehfeder versuchen, das Reststück zu greifen. Im schlimmsten Fall: Rohr öffnen.
Kabel einziehen ist eine der Standard-Tätigkeiten bei der Elektroinstallation – und ohne Werkzeug fast unmöglich. Aus 30 Jahren Praxis fasse ich zusammen:
Leerrohre im Rohbau großzügig planen – das ist die Voraussetzung für jede spätere Erweiterung. DN 25 für einzelne Kabel, DN 32 für Kombi-Trassen, DN 50/75 für Steigleitungen.
Einziehfeder oder Kati-Blitz sind das Standardwerkzeug. Bei langen Strecken und vielen Bögen: Glasfaserstab und Gleitmittel. Zugschnur nach dem Einziehen wieder ins Rohr einlegen – essentiell für die Zukunft.
Zu zweit arbeiten: Einer zieht, der andere führt locker nach. Niemals mit Gewalt – wenn es klemmt, kurz zurück und Ursache suchen. Stark- und Schwachstrom getrennt – NYM-J und CAT-Datenkabel in eigene Rohre.
Reserve-Länge beachten: 30 cm im Verteiler, 15 cm in der UP-Dose, 50 cm bei Decken-Anschlüssen.
Die Inhalte dieses Artikels wurden mit größter Sorgfalt aus über 30 Jahren Berufserfahrung erstellt und dienen ausschließlich der allgemeinen Information und Bildung. Eine Gewähr für Aktualität, Richtigkeit oder Vollständigkeit kann nicht übernommen werden.
Arbeiten an elektrischen Anlagen sind nach § 13 der Niederspannungsanschlussverordnung (NAV) und DIN VDE 0100 ausschließlich eingetragenen Elektrofachkräften vorbehalten und können bei unsachgemäßer Ausführung lebensgefährlich sein. Diese Anleitung ersetzt keine fachgerechte Installation durch einen Elektrofachbetrieb.
Jegliche Umsetzung der hier beschriebenen Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung und Gefahr. Für Personen-, Sach- oder Vermögensschäden, die durch die Anwendung der hier gegebenen Informationen entstehen, wird vom Autor und Betreiber dieses Blogs keinerlei Haftung übernommen. Im Zweifel: Elektrofachbetrieb beauftragen.