Ein LAN-Tester (auch Netzwerktester, Kabeltester oder Ethernet-Tester genannt) ist eines der nützlichsten Werkzeuge bei der Hausverkabelung mit CAT-Kabeln. Mit dem kleinen Gerät prüfst du in wenigen Sekunden, ob jede der 8 Adern einer Netzwerkverbindung korrekt aufgelegt ist – Aderbrüche, Vertauschungen, Kurzschlüsse und Schirmungsfehler werden sofort sichtbar. Wer eine Netzwerkdose ohne LAN-Tester anschließt und erst beim ersten Geräteanschluss merkt, dass etwas nicht stimmt, hat oft stundenlange Fehlersuche vor sich. Mit Tester sind 30 Sekunden Arbeit – und die Verbindung steht. Dieser Ratgeber zeigt aus 30 Jahren Praxis Aufbau, Funktionsweise, Anwendung und welche LAN-Tester sich für welchen Einsatz lohnen.
Die wichtigsten Funktionen eines LAN-Testers:
Durchgangsprüfung aller 8 Adern
Verdrahtungs-Reihenfolge nach TIA 568 A oder B
Schirmung (Ground / „G“-LED)
Kurzschluss-Erkennung zwischen Adern
Kabelende-Identifikation bei mehreren Kabeln im Verteiler
Ein klassischer Fall aus der Praxis: Vor ein paar Jahren rief mich ein Bauherr an. Sein Internet im Arbeitszimmer funktioniere nicht – obwohl der Elektriker erst vor zwei Wochen alles neu verlegt hatte. Telefon im selben Raum: läuft. Switch zeigt LED, Router zeigt LED – aber der Laptop bekommt keine IP-Adresse.
Vor Ort: Sichtprüfung an der Dose. Alles sah ordentlich aus. Zugentlastung korrekt angezogen. Aderfarben? Auf den ersten Blick TIA 568 B.
LAN-Tester aus der Tasche, Remoteeinheit ans Patchpanel-Ende, Haupteinheit an die Dose. Die LEDs zählen los: 1 leuchtet, 2 leuchtet, 3 LEUCHTET NICHT – stattdessen sehe ich Pin 6 aufleuchten. Aha.
Die Adern weiß/grün und grün waren an Pin 3 und Pin 6 vertauscht. Klassischer 1000BASE-T-Fehler: Für 100 Mbit/s reichen die Adern 1, 2, 3 und 6 – damit hätte selbst die verdrehte Verkabelung „irgendwie“ funktioniert. Aber für Gigabit-Ethernet müssen ALLE 8 Adern in der richtigen Reihenfolge aufliegen.
Dose geöffnet, mit dem LSA-PLUS-Werkzeug die beiden Adern getauscht, neu aufgelegt, Tester wieder dran – diesmal alle 8 LEDs in sauberer Reihenfolge.
Die Lehre: Ohne LAN-Tester hätte ich die ganze Verkabelung von der Dose bis zum Patchpanel auf gut Glück durchsuchen müssen. Mit Tester war die Fehlerquelle in 30 Sekunden lokalisiert. Ein Gerät für 25 Euro hat mir an dem Tag eine Stunde Arbeit gespart – und dem Bauherrn einen halben Stundenlohn Elektriker.
Was ist ein LAN-Tester?
Ein LAN-Tester (Netzwerktester, Kabeltester) ist ein kleines Messgerät, das die Verkabelungs-Integrität von Ethernet-Verbindungen prüft. Er kontrolliert:
Sind alle 8 Adern durchverbunden?
Sind sie in der richtigen Reihenfolge (TIA 568 A oder B)?
Gibt es Kurzschlüsse zwischen Adern?
Ist die Schirmung korrekt aufgelegt?
Wo liegt der Fehler im Detail?
Der Tester ersetzt damit das mühsame „Versuch und Irrtum“-Prinzip beim Aufbau eines Heimnetzwerks. Wer 8 Datendosen verlegt hat und nicht weiß, welches Kabel zu welcher Dose führt, findet das mit dem Tester in 5 Minuten heraus.
Wann brauchst du einen LAN-Tester?
Typische Situationen aus 30 Jahren Praxis:
Nach jeder Neuverlegung – jede einzelne Strecke vor Inbetriebnahme testen
Kabel-Identifikation im Verteilerschrank – welches Kabel führt wohin?
Fehlersuche bei langsamem oder unterbrechendem Netzwerk
Bestandsprüfung bei Hauskauf oder Umzug
Nach Renovierungen – wurde eine Leitung beim Stemmen beschädigt?
Bei Kabel-Quetschungen durch Möbel, Türen oder Bohrungen
Bei Schirmungs-Problemen – die G-LED zeigt Schirmungsfehler
Remoteeinheit (Slave / Terminator): kleiner, leichter, einfach mit Anschlussbuchse
Beide Teile haben RJ45-Anschlüsse (für CAT-Kabel) und meist auch RJ11-Anschlüsse (für Telefon). Bei moderneren Geräten ist die Remoteeinheit per Magnet an die Haupteinheit geclipst – so geht keine Komponente verloren.
So funktioniert der Test: Du steckst die Haupteinheit an das eine Kabelende (z. B. Netzwerkdose), die Remoteeinheit an das andere Ende (z. B. Patchpanel). Die Haupteinheit sendet nacheinander Strom durch Ader 1, 2, 3, … 8 und prüft, welche LED an der Remoteeinheit aufleuchtet.
Funktionsweise: Durchgang & Widerstand
LAN-Tester arbeiten mit zwei Mess-Prinzipien:
Durchgangsprüfung
Strom wird durch jede Ader geschickt. Leuchtet die entsprechende LED am Remote-Ende auf, ist die Ader durchgängig verbunden. Wenn nicht: Aderbruch.
Wenn eine andere LED aufleuchtet als erwartet: Adern vertauscht.
Wenn mehrere LEDs gleichzeitig aufleuchten: Kurzschluss zwischen Adern.
Widerstandsprüfung (höherwertige Geräte)
Misst den elektrischen Widerstand der Ader. Daraus lassen sich Aussagen treffen über:
Tatsächliche Kabellänge
Übergangswiderstand an den Klemmen (lose Verbindungen)
Schleichende Adernschäden durch Quetschungen
Die Widerstandsprüfung gibt es ab Mittelklasse-Geräten.
Welche Fehler findet der LAN-Tester?
Fehlerbild
Anzeige am Tester
Ursache
Alle 8 LEDs in Reihenfolge
1→2→3→4→5→6→7→8
✅ Alles korrekt
Eine LED leuchtet nicht
z. B. 5 fehlt
Ader-Unterbrechung an Pin 5
Zwei LEDs gleichzeitig
z. B. 3+6 zusammen
Kurzschluss zwischen Pin 3 und 6
Falsche Reihenfolge
1, 2, 6, 4, 5, 3, 7, 8
Adern an Pin 3 und 6 vertauscht (Klassiker!)
Nur 4 LEDs leuchten
z. B. 1, 2, 3, 6
Nur 4 Adern aufgelegt (Sparvariante)
Keine LED leuchtet
Stille
Kompletter Kabelbruch oder Batterie leer
G-LED leuchtet nicht
G fehlt
Schirmung nicht aufgelegt
💡 Pin 3 und 6 – der Klassiker: Die beiden häufigsten vertauschten Pins. Grund: Bei TIA 568 B sitzen weiß/grün auf Pin 3 und grün auf Pin 6 – nicht nebeneinander, sondern getrennt durch Pin 4 und 5 (blau/weiß-blau). Wer schlampig aufliegt, verwechselt das. Folge: 100 Mbit/s laufen, Gigabit-Ethernet fällt aus.
Die drei Geräte-Klassen im Überblick
LAN-Tester gibt es in drei Preisklassen, die jeweils unterschiedliche Anforderungen abdecken.
Für den Wohnbau sind diese Geräte Overkill – aber wer als Elektrobetrieb professionelle Netzwerk-Installationen anbietet, kommt nicht drumherum.
LAN-Tester verwenden – Schritt für Schritt
Schritt 1: Batterie prüfen
Klingt banal, ist aber Grundvoraussetzung. Bei schwacher Batterie leuchten LEDs blass oder gar nicht – kann fälschlich als Aderbruch interpretiert werden. Vor jeder Mess-Session Batterie prüfen oder austauschen.
Schritt 2: Beide Teile bereitlegen
Haupteinheit und Remoteeinheit zur Hand. Bei mehrteiligen Sets darauf achten, dass die zueinandergehörenden Komponenten verwendet werden.
Schritt 3: Remoteeinheit am einen Ende einstecken
Am Patchpanel-Ende der zu prüfenden Strecke. Die Remoteeinheit hat keine eigenen Bedienelemente – sie wartet einfach auf das Signal von der Haupteinheit.
Schritt 4: Haupteinheit am anderen Ende einstecken
An der Netzwerkdose oder am Endgeräteanschluss.
Schritt 5: Test starten
Bei einfachen Geräten reicht das Einschalten – die LEDs zählen automatisch 1 bis 8 durch. Bei Mittelklasse-Geräten ggf. einen Test-Modus wählen (Kabel-Test, Kabellänge, Schirmung, PoE).
Schritt 6: Ergebnis ablesen
Idealerweise leuchten die LEDs an Remote und Master in der Reihenfolge 1 → 2 → 3 → 4 → 5 → 6 → 7 → 8, und „G“ leuchtet bei geschirmten Kabeln dauerhaft.
Andere Muster: Siehe Tabelle „Welche Fehler findet der LAN-Tester?“ weiter oben.
Schritt 7: Bei Fehler nachprüfen
Bei einem Fehlerbild zunächst beide Enden lösen, neu einstecken (Wackelkontakt?). Wenn weiterhin Fehler: Dose oder Patchpanel öffnen und Auflegung kontrollieren.
Bei größeren Installationen (8+ Datendosen) jede Strecke kurz dokumentieren: Welche Dose, welche Patchpanel-Position, Status (OK / Fehler). Erleichtert Inbetriebnahme und spätere Wartung.
PoE-Test mit dem LAN-Tester
Moderne Mittelklasse- und Profi-Tester können prüfen, ob am Switch Power over Ethernet (PoE) ausgegeben wird – und in welcher Klasse.
Was geprüft wird:
Liegt PoE am Switch-Port an?
Welcher PoE-Standard? (PoE 15 W, PoE+ 30 W, PoE++ 60 W oder 90 W)
An welchen Adern liegt der Strom? (Mode A oder Mode B)
Praxis-Anwendung: Vor dem Anschluss einer PoE-Kamera oder eines PoE-WLAN-APs prüfen, ob das Kabel überhaupt mit PoE versorgt wird. Spart Fehlersuche, wenn ein PoE-Gerät nicht startet.
Einfache LAN-Tester (15–40 € Klasse) haben diese Funktion meistens NICHT. Wer regelmäßig mit PoE-Geräten arbeitet, sollte zur Mittelklasse greifen.
Was tun bei Fehlerfund?
Aderbruch (LED fehlt)
Steckverbindung an beiden Enden prüfen (Wackelkontakt?)
Dose öffnen, Auflegung kontrollieren
Falls Auflegung OK: Kabel selbst kann beschädigt sein (Quetschung, Bohrung). Bei Leerrohr-Verlegung tauschen, sonst neu verlegen.
Aderpaare beim Auflegen versehentlich zusammengedrückt
Aderisolierung beim Abmanteln beschädigt
Lösung: Dose öffnen, betroffene Adern abschneiden, neu abmanteln, sauber auflegen
Schirmung defekt (G-LED fehlt)
Schirmgeflecht nicht zurückgestülpt
Zugentlastung kontaktiert die Schirmung nicht
Bei geschirmten Kabeln: Schirm sauber auf die Schirmungsklemme der Dose auflegen
Häufige Fehler beim Testen selbst
🚫 Typische Fehler beim Umgang mit dem LAN-Tester:
Schwache Batterie – falsche „Aderbruch“-Anzeige bei vollkommen intaktem Kabel
Falsches Steckende – Master und Remote verwechselt, manche Sets sind nicht symmetrisch
Wackelkontakt nicht erkannt – Stecker fest reindrücken
RJ45- statt RJ11-Buchse beim Telefon-Test verwendet
Patchkabel statt Verlegekabel getestet – andere Adernpaarung
PoE-Spannung gestört Tester am aktiven Switch-Port (Switch erst trennen!)
Test während Datenverkehr – Mittelklasse-Tests brauchen ungenutztes Kabel
Bei mehreren Kabeln nicht eindeutig identifiziert – mit Tracking-Funktion arbeiten
Praxis-Ratgeber · 297 Seiten · PDF
Ein LAN-Tester zeigt, ob das Kabel funktioniert.
Aber wie planen Sie Ihr ganzes Heimnetzwerk richtig?
297 Seiten Klartext vom Elektriker mit 30 Jahren Praxis. Welche Kabelkategorie für welches Tempo. Wo Leerrohre Pflicht sind. Wie eine zukunftssichere Verkabelung aussieht. Vom Hausanschluss bis zur Netzwerkdose – inklusive Smart Home, PoE und Sprechanlage.
Einfache Geräte ab 15–40 €, Mittelklasse 60–200 €, Profi-Geräte 500–2.500 €. Für Heimwerker reicht die einfache Klasse fast immer aus.
Welcher LAN-Tester ist der beste für Heimwerker?
Ein einfacher Tester mit 8-LED-Anzeige und G-LED für die Schirmung reicht völlig. Marken wie Goobay, NS-468, Voltcraft, Vamane sind gute Einsteiger-Modelle.
Kann ich mit einem LAN-Tester die Kabellänge messen?
Nur mit Mittelklasse-Geräten ab ca. 60 €. Diese nutzen TDR-Technik (Time Domain Reflectometry). Einfache Tester können das nicht.
Funktioniert der LAN-Tester mit CAT 7?
Ja, jeder LAN-Tester arbeitet mit allen CAT-Kategorien (CAT 5e bis CAT 7), da die RJ45-Belegung identisch ist. Der Tester prüft die Verkabelung, nicht die Kabel-Performance.
Kann ich auch Telefonkabel mit dem LAN-Tester prüfen?
Ja, die meisten Geräte haben zusätzlich RJ11- oder RJ12-Buchsen für Telefon- und ISDN-Kabel.
Was bedeutet die G-LED am LAN-Tester?
„G“ steht für „Ground“ – also die Erdung über die Kabelschirmung. Wenn G nicht leuchtet bei einem geschirmten Kabel: Schirmung ist nicht aufgelegt oder defekt.
Kann ich ein PoE-Kabel mit jedem Tester prüfen?
Nein, die PoE-Test-Funktion gibt es ab Mittelklasse-Geräten. Achtung: Einfache Tester können am aktiven PoE-Switch-Port sogar beschädigt werden – Switch vor dem Test trennen.
Was ist eine TDR-Messung?
„Time Domain Reflectometry“ – ein Verfahren, bei dem ein kurzer Impuls gesendet und die Reflexion gemessen wird. Daraus lässt sich Kabellänge und Position eines Aderbruchs bestimmen.
Brauche ich Profi-Geräte für die Hausverkabelung?
Nein. Profi-Geräte (Fluke etc.) sind für Zertifizierungs-Protokolle gedacht. Im Wohnbau reicht ein einfacher Tester völlig aus.
Kann ich mit dem LAN-Tester WLAN messen?
Nein, LAN-Tester messen nur kabelgebundene Verbindungen. Für WLAN gibt es separate WLAN-Analyse-Geräte oder Smartphone-Apps.
Wie erkenne ich, welches Kabel im Verteilerschrank wohin führt?
Mit einem LAN-Tester der Mittelklasse, der einen Tonsignal-Generator (Cable Tracer) hat. An ein Ende anschließen, am anderen Ende mit einer Sonde abtasten – Piepton lokalisiert das gesuchte Kabel.
Brauche ich für jeden Test einen Helfer?
Nein. Du steckst die Remoteeinheit an das eine Ende, gehst zum anderen Ende und führst den Test allein durch. Das ist gerade bei Verteilerräumen praktisch.
Was tun, wenn der Tester gar nichts anzeigt?
1) Batterie prüfen. 2) Beide Anschlüsse fest einstecken. 3) Bei mehreren Sets prüfen, ob die Komponenten zusammengehören. 4) Wenn weiterhin nichts: Kabel ist komplett unterbrochen.
Wo bewahre ich den LAN-Tester sinnvoll auf?
Im Werkzeugkoffer zusammen mit dem LSA-PLUS-Anlegewerkzeug, Kabelmesser und Seitenschneider. So ist beim Auflegen einer Dose alles griffbereit.
Ein LAN-Tester ist eines der nützlichsten Werkzeuge bei der Hausverkabelung – und das schon ab 20 €. Aus 30 Jahren Praxis fasse ich zusammen:
Für 95 % der Heimwerker-Anwendungen reicht ein einfacher Tester mit 8 LEDs und G-LED für die Schirmung. Wer regelmäßig mit großen Installationen oder PoE-Geräten arbeitet, sollte zur Mittelklasse (60–200 €) greifen – mit Längenmessung, Kabel-Tracking und PoE-Test. Profi-Geräte (Fluke, NetAlly) sind für Elektrobetriebe sinnvoll, die Netzwerk-Zertifizierungen anbieten.
Anwendung: Master und Remote an beide Kabelenden, Strom auf alle 8 Adern senden, LED-Reihenfolge ablesen. Vor jeder Inbetriebnahme JEDE Strecke prüfen – spart später Stunden an Fehlersuche.
Häufigster Fehler: Adern an Pin 3 und 6 vertauscht – mit 100 Mbit/s noch funktional, mit Gigabit kein Netzwerk. Genau dafür ist der Tester gemacht.
Für die fachgerechte Verlegung der CAT-Kabel siehe CAT-7-Kabel verlegen. Den passenden Anschluss-Praxis-Ratgeber findest du in den verwandten Themen.
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