Sicherungsarten im Überblick — FI, LS, RCBO und AFDD verstehen
Aktualisiert 2026 · Komplett überarbeitet mit Praxiswissen zu allen Sicherungsarten in deinem Haus: FI-Schalter, LS-Automat, RCBO-Kombigerät, AFDD-Brandschutz, Neozed-Schmelzsicherung und NH-Hauptsicherung. Mit Sofort-Diagnose „Welche Sicherung wo?“, der richtigen Auswahl für Wallbox und PV-Anlage, den 7 häufigsten Pfusch-Fallen und dem FI-Selbsttest in 2 Minuten.
Kurz und knapp: Die Sicherungsarten in deinem Haus lassen sich in 5 Kategorien einteilen. Ein FI-Schalter (auch RCD genannt) schützt Menschen vor Stromschlägen, indem er Fehlerströme erkennt und in Sekundenbruchteilen abschaltet. Ein LS-Schalter (Leitungsschutzschalter) schützt dagegen Leitungen und Geräte vor Überlast und Kurzschluss — damit es nicht zum Brand kommt. Beide sind die wichtigsten Sicherungsarten im Wohnbau. Dazu kommen RCBO (FI/LS-Kombi), AFDD (Brandschutzschalter) und die klassische Hauptsicherung (NH oder SLS). In modernen Häusern brauchst du meistens mehrere Sicherungsarten kombiniert: mindestens einen FI Typ A für normale Stromkreise, einen FI Typ B für Wallbox und PV-Anlagen, plus passende LS-Schalter mit B- oder C-Charakteristik. Welche Sicherungsarten wo sitzen, entscheidet darüber, ob deine Elektroinstallation 30 Jahre sicher läuft — oder dich im Ernstfall im Stich lässt.
💡 Das Wichtigste in Kürze
- 5 Kategorien der Sicherungsarten: Personenschutz (FI), Leitungsschutz (LS/Neozed), Brandschutz (AFDD), Hauptsicherung (NH/SLS), Kombigeräte (RCBO)
- FI schützt Personen — LS schützt Leitungen. Beide werden zusammen gebraucht.
- FI-Typen heißen AC (veraltet), A (Standard), F (Frequenzumrichter), B (allstromsensitiv für Wallbox/PV)
- LS-Charakteristiken heißen B (Wohnbau), C (Motoren/Werkstatt), D (Industrie)
- FI/LS-Kombi (RCBO) vereint beide Funktionen — ideal für selektive Stromkreise
- AFDD ist der neue Brandschutzschalter — Pflicht in einigen Bereichen seit 2019
- Pflicht laut DIN VDE 0100-410: 30 mA-FI für alle Steckdosenstromkreise im Wohnbereich
Sofort-Diagnose: Welche Sicherungsart brauche ich wo?
Bevor wir tief einsteigen — die schnelle Übersicht. Die Tabelle zeigt dir, welche Sicherungsart wo im Haus die richtige ist:
| Anwendung / Ort | Empfohlene Sicherung | Wichtig |
|---|---|---|
| Steckdosen Wohnzimmer/Schlafzimmer | FI Typ A + LS B16 | Standard-Kombination im Wohnbau |
| Bad (Steckdose + Licht) | FI Typ A + LS B16 | FI im Bad seit 80ern Pflicht |
| Küche mit Induktion + Wärmepumpe | FI Typ F + LS B16 | Typ F für Mischfrequenzen |
| Wallbox / E-Auto-Ladepunkt | FI Typ B + LS C16 oder C32 | Typ A ist NICHT ausreichend! |
| PV-Anlage / Wechselrichter | FI Typ B + LS B16 | Wegen Gleichfehlerströmen |
| Werkstatt (Kompressor, Kreissäge) | FI Typ A + LS C16 | C-Charakteristik wegen Anlaufstrom |
| Schlafzimmer im Altbau | AFDD + FI Typ A + LS B16 | AFDD schützt vor Kabelbrand |
| Gefrierschrank / Server-Rack | RCBO (FI/LS-Kombi) | Ausfall wäre besonders ärgerlich |
| Hausanschluss (vor dem Zähler) | NH-Sicherung oder SLS-Schalter | Vom Netzbetreiber vorgegeben |
Die 5 Kategorien der Sicherungsarten — wer schützt was?
Viele denken bei „Sicherung“ nur an den kleinen Kippschalter im Zählerkasten. Tatsächlich gibt es aber fünf verschiedene Kategorien von Sicherungsarten, die jeweils einen anderen Zweck haben. Nur wer den Unterschied kennt, kann seine Elektrik richtig planen.
| Kategorie | Was sie tut | Beispielgeräte |
|---|---|---|
| 1. Personenschutz | Rettet Menschen bei Stromschlag | FI-Schalter / RCD (Typ A, F, B) |
| 2. Leitungsschutz | Schützt Kabel vor Überhitzung und Kurzschluss | LS-Schalter (Automat), Neozed, D-Sicherung |
| 3. Brandschutz | Erkennt Lichtbögen an lockeren Kontakten | AFDD (Fehlerlichtbogen-Schutzschalter) |
| 4. Hauptsicherung | Sichert das ganze Haus vor dem Zähler | NH-Sicherung, SLS-Schalter |
| 5. Kombigeräte | FI und LS in einem Gerät | RCBO (FI/LS-Kombischalter) |
💡 Merksatz: FI rettet Leben, LS rettet die Hütte. Der FI-Schalter schützt Personen vor Stromschlag, der LS-Schalter schützt Kabel vor Brand. Beides brauchst du — das eine ersetzt nicht das andere. Wir schauen uns jetzt alle Sicherungsarten der Reihe nach an.
Sicherungsart 1: Was ist ein FI-Schutzschalter (RCD)?
Der FI-Schalter heißt offiziell Fehlerstrom-Schutzschalter — international auch RCD (Residual Current Device). Sein Job: Er rettet Leben.
Im Normalbetrieb fließt durch den Außenleiter (L) genauso viel Strom zur Steckdose hin, wie über den Neutralleiter (N) wieder zurück. Beide Werte sind identisch.
Tritt aber ein Fehler auf — zum Beispiel berührst du einen defekten Föhn, oder Wasser läuft an einer Steckdose entlang — dann fließt ein kleiner Teil des Stroms über deinen Körper oder über die Erde ab. Das nennen wir Fehlerstrom. Genau diesen Unterschied erkennt der FI.
Sobald der Differenzstrom 30 Milliampere überschreitet, schaltet er ab. Und zwar in unter 200 Millisekunden — schneller, als du blinzeln kannst.
💡 Wichtig zu wissen: Bei 30 mA Fehlerstrom ist der Strom für einen Menschen schon spürbar, aber noch nicht tödlich. Der FI-Schalter schaltet ab, bevor das Herz aus dem Takt kommt. Genau deshalb sind 30 mA der gesetzliche Grenzwert für den Personenschutz — und der FI die wichtigste Sicherungsart für Menschen.
Sicherungsart 2: Was ist ein LS-Schalter (Leitungsschutzschalter)?
Der LS-Schalter wird auch Sicherungsautomat genannt — die kleinen Schalter, die du im Sicherungskasten als Reihe siehst. Auf Englisch heißen sie MCB (Miniature Circuit Breaker).
Sein Job ist ein anderer als beim FI: Er schützt die Leitung, nicht den Menschen. Wenn zu viele Geräte gleichzeitig an einem Stromkreis hängen, oder ein Gerät einen Kurzschluss verursacht, würde das Kabel überhitzen. Im schlimmsten Fall schmort die Isolierung — und es brennt.
Der LS-Schalter verhindert das. Er hat zwei Auslöse-Mechanismen:
- Thermisch (Bimetall): Bei langsamer Überlastung — etwa wenn du dauerhaft zu viele Geräte am Stromkreis betreibst — erwärmt sich ein Bimetallstreifen und löst nach ein paar Sekunden bis Minuten aus.
- Magnetisch (Spule): Bei Kurzschluss — wenn z.B. Phase und Neutralleiter direkt aufeinander treffen — wird der Strom so hoch, dass ein elektromagnetischer Auslöser blitzschnell trennt. In Millisekunden.
Beide Auslöser sind in jedem LS-Schalter eingebaut. Welcher Strom wann auslöst, bestimmt die Auslöse-Charakteristik — dazu gleich mehr.
FI-Schalter vs. LS-Schalter — die wichtigsten Unterschiede der zwei Sicherungsarten
Viele Heimwerker werfen die zwei Sicherungsarten FI und LS in einen Topf. Sind aber zwei völlig verschiedene Schutzgeräte. Hier die klare Unterscheidung:
| Eigenschaft | FI-Schalter (RCD) | LS-Schalter (MCB) |
|---|---|---|
| Schützt | Menschen vor Stromschlag | Leitungen vor Überlast und Kurzschluss |
| Reagiert auf | Fehlerströme (Differenz zwischen L und N) | Überstrom (zu viel Strom durch die Leitung) |
| Auslösezeit | Unter 200 ms bei 30 mA | Sekunden bis Minuten bei Überlast, ms bei Kurzschluss |
| Sichert ab | Meist mehrere Stromkreise gleichzeitig | Genau einen Stromkreis |
| Hat eine Prüftaste | Ja — beschriftet mit „T“ oder „Test“ | Nein |
| Kosten (typisch) | 40–80 € (Typ A), 180–250 € (Typ B) | 5–15 € pro Stück |
| Pflicht laut | DIN VDE 0100-410 (seit 2009) | DIN VDE 0100-430 |
Merksatz: FI rettet Leben, LS rettet die Hütte. Beide Sicherungsarten brauchst du.
Welche FI-Typen gibt es? — die wichtigste Personen-Sicherungsart im Detail
Hier wird es spannend — und hier passieren in der Praxis die meisten Fehler. Die FI-Typen gibt es, weil moderne Geräte unterschiedliche Arten von Fehlerströmen erzeugen. Ein normaler FI Typ A erkennt nicht jeden Fehler — und wenn er den falschen Typ vor sich hat, schaltet er einfach nicht ab. Lebensgefährlich.
| Typ | Erkennt | Einsatzbereich | Status |
|---|---|---|---|
| Typ AC | Nur reinen Wechselstrom | Veraltet, alte Anlagen | In Deutschland nicht mehr zulässig |
| Typ A | Wechselstrom + pulsierende Gleichströme | Standard im Wohnbereich, Beleuchtung, Steckdosen | Pflicht-Standard |
| Typ F | Typ A + Mischfrequenzen | Waschmaschine, Wärmepumpe, Induktion, Frequenzumrichter | Empfohlen bei modernen Hausgeräten |
| Typ B | Typ F + glatte Gleichfehlerströme | Wallbox, PV-Anlage, Wechselrichter, große Wärmepumpe | Pflicht laut DIN VDE 0100-530 |
| Typ B+ | Wie Typ B, plus erweiterter Brandschutz | Hochfrequenz-Anwendungen, Industrie | Spezialanwendungen |
🚫 Lebensgefahr bei falschem FI-Typ: Ein FI Typ A hinter einer Wallbox kann blind werden. Wenn die Ladeelektronik einen glatten Gleichfehlerstrom erzeugt, „sieht“ der Typ A diesen nicht. Du steckst in einem Auto, das geladen wird, fasst die Karosserie an — und der FI schaltet nicht ab. Daher: Bei Wallbox, PV und Wechselrichtern immer Typ B oder eine Wallbox mit eingebauter DC-Erkennung.
- Der Fehlerstromschutzschalter (FI-Schalter), Typ A, 4-polig, bietet mit 6 Kiloampere Kurzschluss-Stromfestigkeit, 40 Ampere Nennstrom-Belastbarkeit und einer Fehlerstromerkennung von 30 Milliampere umfassenden Schutz gegen Erdschlussfehler. Geeignet für Wechselstrom-Geräte, gewährleistet dieser RCD-Schalter sichere Abschaltung bei Fehlerströmen, um den Personenschutz zu verbessern. Optimal für Installationen in Wohn- und Geschäftsgebäude.
- Polart 3P+N, Nennstrom 40 A, Bemessungsfehlerstrom Idn 30 mA, Schließ- und Abschaltvermögen Idm 1,50 kA, Bemessungskurzschlussstrom Inc nach EN61008-1 6 kA, Nennstrom bei -25...+70°C 40 A, Nominales Drehmoment aller Klemmen 2,80 Nm, Bemessungsbetriebsspannung Ue 230 - 400 V, Versorgungsspannungsart AC, Isolationsspannung Ui 500 V, Stoßspannungsfestigkeit 4000 V, Max. Betriebsspannung 440 V, Frequenz 50 - 50 Hz.
- Anzahl Module 4, Geeignet für DIN Schiene Ja, Typ des Fehlerstromschutzes A, IP-Klasse (Ingress Protection) IP20, Anschlussquerschnitt des Eingangs und Ausgangs mit Schrauben massiv = 1-25 mm², flexibel = 1-16 mm², Gesamtverlustleistung unter Nennstrom 6,50 W, Anschlussart QuickConnect (Schraubtechnik), Abmessungen (H x B x T) = 83 x 70 x 70 mm, Installation erfordert Elektro-Fachkraft.
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Welche LS-Charakteristiken gibt es? — die Leitungsschutz-Sicherungsart im Detail
Beim LS-Schalter steht auf dem Gehäuse immer etwas wie „B16″ oder „C20″. Der Buchstabe ist die Auslöse-Charakteristik, die Zahl der Nennstrom in Ampere.
| Charakteristik | Magnetische Auslösung | Einsatzbereich |
|---|---|---|
| B | 3 bis 5-facher Nennstrom | Wohnbau, Steckdosen, Licht, normale Geräte — der Standard |
| C | 5 bis 10-facher Nennstrom | Motoren, Pumpen, größere LED-Anlagen mit hohem Einschaltstrom |
| D | 10 bis 20-facher Nennstrom | Industrie, Schweißmaschinen, Trafos |
In der Praxis: In deinem Haus wirst du fast überall B-Charakteristik haben. Nur in der Werkstatt (Kompressor, Kreissäge, Bandsäge) oder wenn du eine größere Pumpe für den Garten betreibst, brauchst du C-Charakteristik. D ist normalerweise nicht relevant für den Wohnbereich.
⚡ Praxis-Hinweis zum Nennstrom: Für Steckdosenstromkreise nimmst du in 99 Prozent der Fälle B16. Das bedeutet: 16 Ampere Nennstrom bei B-Charakteristik. Das passt zu einem normalen 1,5 mm²-Kabel. Bei dickerem 2,5 mm²-Kabel kannst du auch B20 nehmen — allerdings nur, wenn du wirklich mehr Last brauchst.
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Klassische Schmelzsicherungen — die Vorgänger der Automaten
Bevor es LS-Automaten gab, wurden alle Stromkreise mit Schmelzsicherungen abgesichert. Diese Sicherungsart hat einen dünnen Draht im Inneren, der bei Überstrom schmilzt und den Stromkreis unterbricht. Auch heute findest du sie noch — vor allem in Altbauten und als Hauptsicherung im Zählerschrank.
| Bauform | Nennstrom | Typische Anwendung |
|---|---|---|
| D-Sicherung (Diazed) | 2–100 A | Alte Wohnhaus-Verteiler (bis 1980er) |
| D0-Sicherung (Neozed) | 2–63 A | Nachfolger der Diazed, kompakter |
| NH-Sicherung | 6–1.250 A | Hauptsicherung im Zählerschrank |
Warum überhaupt noch Schmelzsicherungen? Sie haben einen Vorteil: Sie können sehr hohe Kurzschlussströme abschalten (bis 100.000 A). Der LS-Automat schafft meist nur 6.000 A. Deshalb finden diese Sicherungsarten bis heute Anwendung als Hauptsicherungen oder in industriellen Bereichen.
⚡ Aus 30 Jahren Praxis: Wenn du in einem Altbau lebst und noch Schraubsicherungen im Sicherungskasten hast, ist das kein Sicherheitsproblem — sie funktionieren zuverlässig. Aber bei der nächsten Modernisierung solltest du auf LS-Automaten umsteigen. Vorteile: Einfacher wiedereinschaltbar, gleichzeitig Nachrüstung von FI-Schaltern möglich, deutlich mehr Sicherheit für die Familie.
Die Hauptsicherung — NH oder SLS?
Bevor der Strom bei dir im Sicherungskasten ankommt, läuft er über die Hauptsicherung. Diese Sicherungsart schützt das ganze Haus vor Überlastung und wird vom Netzbetreiber vorgegeben.
NH-Sicherung (Niederspannungs-Hochleistungssicherung)
Der Klassiker — eine große Schmelzsicherung im Zählerschrank. Vorteile: Sehr hohe Kurzschluss-Belastbarkeit (bis 100.000 A), zuverlässig, günstig. Nachteil: Nach dem Auslösen muss der Netzbetreiber die neue Sicherung einsetzen — kann dauern.
Typische Nennströme im Einfamilienhaus: 35 A, 50 A, 63 A pro Phase.
SLS-Schalter (Selektiver Leitungsschutzschalter) — moderne Alternative
Der SLS-Schalter ist die moderne Version der Hauptsicherung. Statt einer Schmelzsicherung ein Kippschalter — den du nach dem Auslösen einfach wieder hochdrücken kannst. In Neubauten heute Standard.
💡 Wichtig zu wissen: Die Hauptsicherung liegt vor dem Stromzähler und ist plombiert. Zugriff hat nur der Netzbetreiber. Du kannst sie nicht selbst tauschen oder verändern — auch nicht in Notfällen. Bei Problemen: Netzbetreiber-Notdienst rufen (jeder Netzbetreiber hat eine 24-h-Nummer).
FI/LS-Kombischalter (RCBO) — die Sicherungsart mit dem Besten aus zwei Welten
Der FI/LS-Kombischalter, international auch RCBO genannt, vereint beide Funktionen in einem Gehäuse. Du hast also Personenschutz und Leitungsschutz in einem Gerät. Klingt wie ein Kompromiss — ist aber tatsächlich die beste Lösung für viele Stromkreise.
Die Vorteile:
- Selektivität: Wenn ein Fehler in einem Stromkreis passiert, fällt nur dieser eine Stromkreis aus. Bei einem klassischen FI mit nachgeschalteten LS würde der ganze FI-Bereich ausfallen.
- Platzersparnis: Im Verteiler nimmst du nur 2 Teilungseinheiten pro Stromkreis, statt 4 (FI + LS getrennt).
- Klare Fehlerursache: Du siehst sofort, ob es ein Fehlerstrom oder ein Überstrom war — am Schalter selbst.
Die Nachteile:
- Preis: Ein RCBO kostet 35 bis 80 Euro pro Stück. Eine FI/LS-Lösung in klassischer Bauweise kostet weniger.
- Mehr Komponenten, mehr Möglichkeiten für Defekt: Aber in der Praxis kaum relevant.

Wo lohnt sich der RCBO? Vor allem in Stromkreisen, wo Ausfälle ärgerlich sind — Gefrierschrank, Server-Rack, Heizungssteuerung, Aquarium. Da willst du nicht, dass ein Fehler in einem anderen Stromkreis dir gleichzeitig den Gefrierschrank abschaltet.
AFDD — die neueste Sicherungsart als Brandschutzschalter
Der AFDD (Arc Fault Detection Device) ist die jüngste Entwicklung unter den Sicherungsarten. Im Deutschen auch Fehlerlichtbogen-Schutzschalter genannt. Was er macht: Er erkennt sogenannte Lichtbögen — kleine Funkenüberschläge, die an schlechten Kontaktstellen entstehen können.
Klassisches Beispiel: Eine alte Steckdose, in die du den Stecker oft reingesteckt hast. Mit der Zeit lockern sich die inneren Klemmen. Wenn dann Strom durchläuft, entsteht ein winziger Lichtbogen, der die Kontakte langsam erhitzt — bis es brennt.
Der AFDD erkennt diese Lichtbögen. Er hat einen kleinen Mikrocontroller, der den Strom-Frequenzverlauf analysiert. Wenn er typische Lichtbogen-Muster findet, schaltet er ab — noch bevor es brennt.
| Wo AFDD seit 2019 Pflicht ist | Empfehlung |
|---|---|
| Schlafräume in Kindergärten und Schulen | Pflicht laut DIN VDE 0100-420 |
| Räume mit feuergefährlichen Materialien (Holzhaus) | Pflicht |
| Pflegeheime, barrierefreies Wohnen | Pflicht |
| Schlafzimmer im privaten Wohnbereich | Stark empfohlen, nicht Pflicht |
| Altbau mit alter Verkabelung | Stark empfohlen |
Preis: Ein AFDD kostet etwa 120 bis 180 Euro — je nach Hersteller. Für den privaten Wohnbau sicher kein Spielzeug, aber wenn du im Altbau eine alte Verkabelung hast, kann diese Sicherungsart vor dem Schlafzimmer dir buchstäblich das Leben retten.
Wie sieht ein moderner Verteiler aus? — alle Sicherungsarten kombiniert
Jetzt zur Praxis: Wie werden alle Sicherungsarten im Sicherungskasten zusammengebaut? Die meisten Bauherren denken: „Wir nehmen einen FI, da hängen wir alle Stromkreise dran, fertig.“ Das ist der häufigste Pfusch in deutschen Häusern.
Ein ordentlicher Verteiler im Einfamilienhaus sieht heute so aus:
- SLS-Schalter als Hauptsicherung (oder klassisch NH-Sicherung im Bestand)
- FI Typ A 40A/30mA für Beleuchtung und Steckdosen im Erdgeschoss
- FI Typ A 40A/30mA für Beleuchtung und Steckdosen im Obergeschoss
- FI Typ A 40A/30mA für Beleuchtung und Steckdosen im Keller und Außenbereich
- FI Typ F 40A/30mA für Küche (Wärmepumpe, Induktion, Waschmaschine)
- FI Typ B 40A/30mA für Wallbox (separater Stromkreis!)
- FI Typ B 40A/30mA für PV-Wechselrichter (separater Stromkreis!)
- AFDD vor Schlafzimmer-Stromkreisen (empfohlen)
- Dahinter jeweils LS-Schalter B16 für jeden Stromkreis
💡 Warum mehrere FIs? Damit nicht das ganze Haus stromlos ist, wenn ein Fehler auftritt. Wenn dein Föhn im Bad einen Defekt hat und der FI auslöst, soll nur das Obergeschoss kurz dunkel sein — nicht der Kühlschrank im Erdgeschoss und das Gefrierfach im Keller mit ihm. So funktioniert ein durchdachter Schutz.
Details zur kompletten Verteiler-Planung: Stromkreisverteiler richtig planen und aufbauen.
Die 7 häufigsten Pfusch-Fallen bei Sicherungsarten aus 30 Jahren Praxis
In drei Jahrzehnten habe ich tausende Verteiler gesehen. Diese sieben Fehler tauchen bei den Sicherungsarten immer wieder auf — und einige davon können tödlich sein:
1. Ein einziger FI fürs ganze Haus. Wenn der auslöst, ist alles stromlos. Schlimmer: Du findest den Fehler nicht, weil du nicht weißt, welcher Stromkreis ihn ausgelöst hat. Lösung: mindestens 3 FIs in einem normalen EFH.
2. Falscher FI-Typ vor Wallbox oder PV. Der Klassiker. Typ A statt Typ B. Im Fehlerfall schaltet der FI nicht ab. Das ist nicht nur Versicherungsproblem, das kann tödlich sein.
3. Geteilter Neutralleiter zwischen verschiedenen FIs. Wenn der Neutralleiter eines Stromkreises gemeinsam mit einem anderen FI-Kreis geführt wird, „sieht“ der FI Fehlerströme falsch. Er löst entweder ständig aus, oder gar nicht. Beides katastrophal.
4. LS-Schalter zu groß dimensioniert. Ein 16-Ampere-Automat an einer 1,5 mm²-Leitung, die ungünstig verlegt ist, kann zur Brandfalle werden. Querschnitt und Verlegeart müssen passen.
5. Falsche Auslöse-Charakteristik. B-Charakteristik vor einem Kompressor — funktioniert beim Anlaufen oft nicht (löst ständig aus). C-Charakteristik vor einer Steckdose — löst zu spät aus, wenn du ein Kabel angebohrt hast.
6. FI hintereinander geschaltet. Manchmal sehe ich, dass jemand vor seinem 30 mA-FI noch einen 300 mA-FI gesetzt hat. Das ist nicht selektiv, das ist Pfusch. Bei einem Fehler lösen meist beide aus — und du weißt nicht, welcher der Übeltäter war.
7. Prüftaste nie gedrückt. Der FI ist ein mechanisches Gerät. Er kann verklemmen, wenn er nie betätigt wird. Empfohlen sind zwei Tests pro Jahr — einfach die T-Taste drücken. Schaltet er ab, ist er in Ordnung. Schaltet er nicht ab, sofort vom Elektriker prüfen lassen.
Wie teste ich meinen FI-Schalter selbst?
Das kann jeder. Geht in zwei Minuten und kann Leben retten:
- Computer und empfindliche Geräte ausschalten (Strom geht gleich weg)
- Sicherungskasten öffnen
- FI-Schalter finden — das ist meistens ein großer Schalter mit „T“-Knopf, oft 4-polig
- T-Knopf drücken
- Der Hebel sollte sofort nach unten schnappen und der Strom in den betreffenden Stromkreisen weg sein
- Hebel wieder nach oben drücken — Strom kommt wieder
Funktioniert er? Super, deine Familie ist geschützt.
Schaltet er nicht ab beim Drücken? Sofort einen Elektriker rufen. Der FI muss getauscht werden, und zwar dringend.
⚡ Mein Tipp: Mach den Test immer am 1. Januar und 1. Juli. Im Kalender notieren, dann vergisst du es nicht. Zwei Minuten Aufwand für ein Jahr Sicherheit — besseres Preis-Leistungs-Verhältnis findest du in keinem anderen Bereich der Hauselektrik.
Praxis-Geschichte: die Wallbox, die 12.000 Euro gekostet hat
Letztes Jahr hat mich ein Bauherr aus der Nachbarschaft angerufen. Er hatte gerade seine Wallbox angeschlossen — selbst, vom Schwager helfen lassen. Lief alles. Auto laden klappte. Stolz wie Bolle.
Drei Wochen später meldete sich der Versicherungsgutachter. Der Trafo der Wallbox war durchgebrannt, und beim Nachschauen hatte der Gutachter gemerkt: Da hängt nur ein normaler FI Typ A drauf. Kein Typ B. Versicherungsschaden: 12.000 Euro. Ausgezahlt: nichts. Weil die Installation nicht normgerecht war.
Hätte er das vorher gewusst — ein FI Typ B kostet etwa 180 bis 250 Euro. Stattdessen hat ihn der Pfusch jetzt 12.000 gekostet, plus der Schreck.
Erkenntnis: Bei der Wahl der Sicherungsarten geht es nicht nur um Norm-Konformität. Es geht um Versicherungsschutz und im Ernstfall um Menschenleben. Wer meint, mit dem falschen FI-Typ ein paar Euro zu sparen, kann am Ende alles verlieren.
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FAQ — häufige Fragen zu Sicherungsarten
Was sind die wichtigsten Sicherungsarten im Haus?
Die 5 wichtigsten Sicherungsarten sind: FI-Schalter (Personenschutz), LS-Schalter (Leitungsschutz), RCBO (FI/LS-Kombi), AFDD (Brandschutz) und die Hauptsicherung (NH oder SLS). Jede hat einen anderen Zweck und sie ergänzen sich.
Was ist der Unterschied zwischen FI und LS-Schalter?
Der FI-Schalter schützt Menschen vor Stromschlägen, indem er Fehlerströme erkennt. Der LS-Schalter schützt Leitungen vor Überlast und Kurzschluss, damit es nicht brennt. Beide Sicherungsarten werden in jeder modernen Elektroinstallation gebraucht — als Kombination oder als FI/LS-Kombischalter (RCBO).
Ist ein FI-Schalter Pflicht?
Ja. Seit 2009 schreibt die DIN VDE 0100-410 in Deutschland einen 30 mA-FI-Schalter für alle Steckdosen-Stromkreise im Wohnbereich vor. Im Bad ist ein FI seit den 1980er-Jahren Pflicht. In Neubauten sind FIs heute praktisch im ganzen Haus Pflicht.
Welcher FI-Typ wird für eine Wallbox gebraucht?
Für eine Wallbox brauchst du einen FI Typ B (allstromsensitiv). Ausnahme: Wenn die Wallbox eine eingebaute DC-Fehlerstromerkennung hat, reicht ein Typ A. Das steht aber explizit in der Wallbox-Dokumentation. Im Zweifel lieber Typ B — das ist immer sicher.
Was bedeutet B16 auf einem Sicherungsautomaten?
Das B steht für die Auslöse-Charakteristik (5-facher Nennstrom magnetische Auslösung — Standard im Wohnbau). Die 16 steht für den Nennstrom in Ampere. Ein B16 schaltet also bei dauerhaft mehr als 16 A ab (thermisch) oder bei Kurzschluss zwischen 48 und 80 A (magnetisch).
Wie oft sollte ich meinen FI-Schalter prüfen?
Mindestens zweimal im Jahr durch Drücken der T-Taste. Hersteller empfehlen halbjährliche Prüfung. Ein guter Merktag ist der 1. Januar und 1. Juli — einmal eintragen, dann nicht vergessen.
Was ist ein FI/LS-Kombischalter (RCBO)?
Ein RCBO vereint FI- und LS-Funktion in einem Gerät. Vorteil: Bei einem Fehler fällt nur ein Stromkreis aus, nicht der ganze FI-Bereich. Im Verteiler braucht ein RCBO nur 2 Teilungseinheiten statt 4. Kosten: 35–80 Euro pro Stück.
Was ist ein AFDD und brauche ich einen?
Ein AFDD (Fehlerlichtbogen-Schutzschalter) erkennt kleine Lichtbögen, die durch lockere Kontakte entstehen können — die Brandursache Nummer 1 in der Elektroinstallation. In Kindergärten, Schulen und Pflegeheimen ist er seit 2019 Pflicht. Im privaten Wohnbau empfehle ich ihn vor allem für Schlafzimmer und in Altbauten mit alter Verkabelung. Preis: 120–180 Euro.
Was ist der Unterschied zwischen Neozed und LS-Schalter?
Neozed ist eine klassische Schmelzsicherung — bei Auslösung muss die Sicherung ausgetauscht werden. LS-Schalter (Automat) kann nach dem Auslösen einfach wieder eingeschaltet werden. Neozed hat höhere Kurzschluss-Belastbarkeit, wird heute vor allem als Vorsicherung eingesetzt.
Was ist eine NH-Sicherung?
NH steht für Niederspannungs-Hochleistungssicherung. Diese Sicherungsart sichert typischerweise das ganze Haus als Hauptsicherung vor dem Zähler ab. Nennströme 6-1.250 A, Kurzschluss-Belastbarkeit bis 100.000 A. Wird vom Netzbetreiber gesetzt.
Was ist ein SLS-Schalter?
Der SLS-Schalter (Selektiver Leitungsschutzschalter) ist die moderne Alternative zur NH-Hauptsicherung. Statt Schmelzsicherung ein Kippschalter — nach Auslösung sofort wieder einsetzbar. In Neubauten heute Standard.
Kann ich einen FI-Schalter selbst tauschen?
Nein, das gehört in die Hand eines Elektrofachbetriebs. Nach § 13 der Niederspannungsanschlussverordnung (NAV) dürfen Arbeiten am Verteiler nur konzessionierte Elektriker durchführen. Du kannst zwar legal selbst den FI testen oder LED-Lampen wechseln — Schaltgeräte tauschen darf nur der Fachmann.
Sind alte D-Sicherungen (Diazed) noch sicher?
Ja, sie funktionieren zuverlässig — solange sie nicht überlastet werden und die richtigen Nennströme haben. Bei einer Modernisierung empfiehlt sich der Umstieg auf LS-Automaten, um auch FI-Schalter nachrüsten zu können.
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Fazit — die richtige Kombination der Sicherungsarten entscheidet
Die verschiedenen Sicherungsarten sind kein Detail, das man beim Bau oder der Modernisierung „mitlaufen“ lassen kann. Welcher Typ in deinem Verteiler sitzt, entscheidet darüber, ob deine Familie wirklich geschützt ist. Vor allem in Zeiten von Wallbox, PV-Anlage und Wärmepumpe reicht ein einfacher FI Typ A oft nicht mehr aus.
Wenn du gerade baust oder renovierst: Lass deinen Elektriker einen klaren Verteilerplan zeichnen, bevor er anfängt zu installieren. Du willst sehen: Welche Sicherungsarten kommen zum Einsatz — welche FI-Typen, wie viele FIs, welche LS-Schalter mit welcher Charakteristik. Wenn er das nicht erklären kann, hast du den falschen Mann.
Und wenn du in einem Bestandshaus wohnst und unsicher bist: Mach den Selbsttest deines FI heute Abend. Zwei Minuten Aufwand für ein Stück Sicherheit, das im Ernstfall dein Leben rettet.
⚡ Haftungsausschluss: Dieser Artikel ist eine Information für Heimwerker und Bauherren. Arbeiten an der Elektroinstallation dürfen laut § 13 NAV nur konzessionierte Elektrofachbetriebe durchführen. Wenn du unsicher bist, wende dich an einen qualifizierten Elektriker in deiner Nähe.