Leerrohre in der Betondecke — Rohrtypen, Durchmesser und richtiges Verlegen 2026
Aktualisiert August 2026 · Mit vollständiger Rohrtypen-Übersicht (FFKuS-EM-F Highspeed, -105, -LS0H halogenfrei, FBY-EL-F, FFKU-EL-F), Durchmesser-Belegungs-Tabelle (M16 bis M40) mit konkreten Kabel-Empfehlungen, Biegeradius-Regeln, Deckendosen und Auslässen, Kabel-Einziehen mit Ziehdraht und Gleitmittel, 6 typischen Fehlern und Preisen 2026.
Kurz und knapp: Leerrohre in der Betondecke sind die einmalige Chance, die Elektroinstallation eines Massivhauses zukunftssicher zu machen — was nach dem Betonieren vergessen wird, kostet später ein Vielfaches an Nachrüstung. Standard-Rohr ist heute das FFKuS-EM-F Highspeed von Fränkische (nach VDE 0605 / DIN EN 61386-22, Druckfestigkeit 750 N/5cm, mit Gleitbeschichtung). Es gibt 5 wichtige Rohrtypen für unterschiedliche Anforderungen und 5 gängige Durchmesser (M16, M20, M25, M32, M40) — jede Größe für einen bestimmten Kabeltyp. Wichtig: Beim Verlegen den Biegeradius einhalten (mindestens 6× Rohrdurchmesser), max. 20-25 m zwischen zwei Zugpunkten, Rohre farblich getrennt für Stark- und Schwachstrom, Enden vor dem Betonieren verschließen und Ziehdraht mitverlegen. Preise 2026: M20 ab 0,50 €/m, M25 ab 0,80 €/m, M32 ab 1,50 €/m. Was du zu jedem Rohrtyp wissen musst und wie du im Massivbau richtig planst, zeige ich dir hier ausführlich.
💡 Das Wichtigste in Kürze
- Standard-Rohr: FFKuS-EM-F Highspeed (Fränkische), VDE 0605, 750 N/5cm Druckfestigkeit, mit Gleitbeschichtung
- Halogenfrei bei Brandschutz: FFKuS-EM-F-LS0H (Low Smoke, für Fluchtwege, Serverräume)
- Standard-Durchmesser: M20 für Steuerleitungen/KNX, M25 für NYM 5×1,5 und Cat7, M32 für 7-adrige Kabel
- Biegeradius: mindestens 6× Rohrdurchmesser (M25 → min. 15 cm Radius)
- Max. Länge: 20-25 m zwischen zwei Zugpunkten (Dose, Verteiler, Zugkasten)
- Max. Kurven: maximal 3× 90°-Kurven pro Strecke, sonst Zugkasten einplanen
- Farbliche Trennung: schwarz/grau für 230 V, rot für Bus/KNX, orange für Netzwerk
- Vor dem Betonieren: Enden mit Endkappen verschließen, Ziehdraht mitverlegen, Fotos machen
- Preise 2026: M20 ab 0,50 €/m, M25 ab 0,80 €/m, M32 ab 1,50 €/m
Warum überhaupt Leerrohre in der Betondecke?
Im Massivbau mit Betondecken gibt es keine zweite Chance. Was nach dem Betonieren fehlt, muss später mit erheblichem Aufwand nachgerüstet werden — Kernbohrungen, Aufputz-Kabelkanäle, abgehängte Decken. Leerrohre sind die einzige elegante Lösung, um:
- Steckdosen, Schalter und Lampen an beliebigen Stellen zu ermöglichen — später einfach das Kabel ins bestehende Rohr einziehen
- Netzwerkkabel und Bus-Systeme (KNX, Loxone) nachzurüsten, wenn du sie später brauchst
- Beleuchtung neu zu planen — LED-Einbaustrahler, indirekte Beleuchtung, Deckenfluter
- Smart-Home-Komponenten nachträglich anzuschließen, ohne die Decke aufzustemmen
- Wertsteigerung des Hauses — moderne Elektroinstallation zahlt sich beim Verkauf aus
Die Kosten für Leerrohre im Rohbau sind lächerlich gering im Vergleich zu späteren Nachrüstungen. Ein Meter FFKuS-EM-F M20 kostet 2026 rund 50 Cent. Eine Kernbohrung durch 20 cm Beton nach dem Fertigstellen: 80-150 € pro Bohrung. Die Rechnung geht klar auf.
⚡ Praxis-Faustregel: Lieber ein paar Leerrohre zu viel als eines zu wenig. Auch wenn du keine sofortige Verwendung siehst — plane in jedem Raum mindestens ein zusätzliches Reserve-Leerrohr zum Verteiler. Der Aufwand im Rohbau: 2 Euro Material und 5 Minuten Arbeit. Der Aufwand später: mehrere hundert Euro und tagelange Arbeit.
Die 5 Rohrtypen im Überblick
Nicht jedes Elektro-Leerrohr ist für die Betondecke geeignet. Der Unterschied liegt in der Druckfestigkeit (das Rohr muss den Betondruck aushalten) und der Gleitbeschichtung (spätere Kabel-Einzug).
1. FFKuS-EM-F Highspeed (der Standard für Beton)
Das Standard-Rohr für Betondecken. Von Fränkische, dem Marktführer. Eigenschaften:
- Norm: VDE 0605 / DIN EN 61386-22, Klassifizierung 3321
- Druckfestigkeit: 750 N/5cm (mittlere Druckbeanspruchung)
- Temperaturbereich: -25 bis +60 °C
- Selbstverlöschend: ja (nicht flammenausbreitend)
- Innenwand: gleitbeschichtet — Kabel-Einzug deutlich erleichtert
- Farbe: grau (Standard), rot oder orange für Sonderfunktionen
- Nennweiten: M16 bis M63
Das ist die Empfehlung für 95 % aller Anwendungen in einem Einfamilienhaus.
2. FFKuS-EM-F-105 (für höhere Temperaturen)
Wie der Standard, aber temperaturbeständig bis +105 °C. Deutlich teurer (rund 2× Preis). Braucht man nur in Sonderfällen: an heißen Rohren, im Dachbereich mit direkter Sonneneinstrahlung, in Räumen mit dauerhaft hoher Temperatur (Sauna-Umgebung). Im normalen Wohnbau überflüssig.
3. FFKuS-EM-F-LS0H (halogenfrei, Low Smoke)
Halogenfreie Ausführung mit sehr geringer Rauchentwicklung im Brandfall. Wichtig für:
- Brandschutzbereiche — Fluchtwege, Treppenhäuser mit Brandschutz-Anforderungen
- Öffentliche Gebäude — Schulen, Kindergärten, Verwaltung
- Serverräume — im Brandfall keine korrosiven Gase, die Elektronik zerstören
- Rechenzentren, Krankenhäuser — höchste Anforderungen
Mehrpreis: 50 % gegenüber Standard. Im normalen Einfamilienhaus nicht nötig, aber im Mehrfamilienhaus oder bei besonderen Anforderungen sinnvoll.
4. FBY-EL-F (für Hohlwände, nicht für Beton!)
Deutlich günstiger, aber geringere Druckfestigkeit. Kein Standard-Rohr für Beton, sondern für Hohlwände (Trockenbau, Holzhaus). Kann zwar in Beton verlegt werden, aber die Gefahr des Zerdrückens beim Betonieren ist höher. Nicht empfehlenswert für die Betondecke — die 30 Cent Ersparnis pro Meter lohnen das Risiko nicht.
5. FFKU-EL-F (für Ziegelwände, Unterputz)
Das günstigste Kunststoff-Panzerrohr, aber nur für die Unterputz-Installation in Ziegelwänden geeignet. In der Betondecke definitiv falsch. Keine ausreichende Druckfestigkeit, keine Gleitbeschichtung.
Vergleichstabelle — welches Rohr wofür?
| Rohrtyp | Druckfestigkeit | Gleitbeschichtung | Einsatz | Preis 2026 (M25) |
|---|---|---|---|---|
| FFKuS-EM-F Highspeed | 750 N/5cm | Ja | Beton, UP, AP | 0,80–1,20 €/m |
| FFKuS-EM-F-105 | 750 N/5cm | Ja | Heiße Umgebung (bis 105 °C) | 1,80–2,50 €/m |
| FFKuS-EM-F-LS0H | 750 N/5cm | Ja | Halogenfrei, Brandschutz | 1,20–1,80 €/m |
| FBY-EL-F | 320 N/5cm | Nein | Hohlwände (nicht Beton!) | 0,50–0,80 €/m |
| FFKU-EL-F | 320 N/5cm | Nein | Ziegelwand UP | 0,40–0,70 €/m |
🚫 Nicht sparen am falschen Ende: In der Betondecke immer FFKuS-EM-F Highspeed verwenden — die 30 % Mehrkosten gegenüber FBY-EL-F rechnen sich sofort, wenn ein einziges Rohr beim Betonieren zerdrückt wird. Die Nachrüstung durch die fertige Betondecke kostet ein Vielfaches.
Die richtigen Durchmesser — welches Kabel wo?
Die Bezeichnung „M25″ bedeutet: 25 mm Außendurchmesser. Der Innendurchmesser ist etwas geringer (bei M25 ca. 20 mm). Standard-Durchmesser mit Anwendungen:
| Durchmesser | Innen | Für welches Kabel? | Typische Anwendung |
|---|---|---|---|
| M16 | ~12 mm | 1× J-Y(ST)Y, 1× dünne Steuerleitung | Selten — meist zu klein |
| M20 | ~15 mm | 1× NYM 3×1,5, 1× KNX, 1× Cat7 (kurz) | KNX, Steuerleitungen, einfache Steckdose |
| M25 (Standard!) | ~20 mm | 1× NYM 5×1,5, 1× NYM 5×2,5, 1× Cat7 lang, 1× Coax | Der Universalstandard für die meisten Auslässe |
| M32 | ~26 mm | 1× NYM 7×1,5, 2× NYM 3×1,5, 1× Cat7 + 1× Cat7 | Herd (7-adrig), Multimedia-Sternverkabelung |
| M40 / M50 | ~33 mm / 41 mm | HDMI-Kabel mit Stecker, Zuleitung zu Unterverteiler | Sonderfälle, oft besser 2× M25 stattdessen |
💡 Praxis-Tipp aus 30 Jahren: Der Universal-Standard ist M25. Wer im Neubau überall M25 verlegt, ist für alle typischen Anwendungen (5-adrige NYM, Netzwerk, Antenne) gerüstet. Nur für dedizierte Herd-Zuleitungen oder Sternverkabelung zum Datenverteiler auf M32 gehen. Und für einfache KNX/Bus-Leitungen kann M20 reichen. Ab M32 überlegen, ob nicht besser 2× M25 — das gibt Statik der Decke mehr Substanz und im Verteilerschacht mehr Flexibilität.
- Werkstoff=PVC
- Halogenfrei=nein
- Ausführung flammwidrig=ja
- Biegeverhalten=flexibel (gewellt)
- Mit Muffe=nein
Weitere Informationen zur Aktualität der angezeigten Preise finden sie hier.
Planung — welche Leerrohre wohin?
Vor dem Betonieren solltest du für jeden Raum eine Skizze machen — bemaßt vom Zimmer-Eck. Diese Punkte sollten alle geplant sein:
Beleuchtung an der Decke
- Deckenauslass in der Raum-Mitte (Standard)
- LED-Einbauleuchten — je nach Raum 4-12 Auslässe, sternförmig oder in Gruppen
- Zusätzliche Deckenauslässe für indirekte Beleuchtung, Deckenfluter, Wandleuchten
- Über Küchenzeile: 2-4 Auslässe für Arbeitsplatzbeleuchtung
- Über Esstisch: gezielter Auslass für Pendelleuchte
- Über Bett: Leselampe-Auslass links und rechts
Steckdosen und Schalter
Von der Betondecke zu den Auslässen in Wand (Steckdose auf 30 cm Höhe, Schalter auf 105 cm). Bei modernen Ziegelwänden können die Rohre auch direkt in der Wand geführt werden — aber wenn nicht, Übergang von Decke zu Wand:
- Alle Standard-Steckdosen jedes Raumes
- Extra Steckdose neben Sofa, Bett, Schreibtisch
- Kraftanschlüsse (400V) für Garage, Keller, Werkstatt
- Anschluss für Waschmaschine, Trockner
- Herd-Anschluss in der Küche (5-adrig, M32)
Multimedia und Kommunikation
- Netzwerkanschlüsse (Cat7): in jedes Zimmer sternförmig zum Datenverteiler — mindestens 1 pro Raum, 2 im Wohnzimmer und Homeoffice
- Antennendosen (Coax): Wohnzimmer, Schlafzimmer, ggf. Küche
- Türsprechanlage: vom Klingelknopf zum Verteiler und zur Sprechstelle
- Alarmanlage: Leerrohre zu Bewegungsmeldern, Fenster- und Türkontakten
Smart-Home und Bus-Systeme
- KNX/Loxone: vom Systemverteiler zu jedem KNX-Teilnehmer
- Raumthermostate für Fußbodenheizung
- Rollladen- und Jalousie-Steuerung
Außenbereich
- Außenlampen — Hauseingang, Terrasse, Balkon, Garage
- Außensteckdosen — mindestens 2 pro Hausseite
- Elektro-Wallbox für E-Auto — M32 oder größer, direkt vom Unterverteiler
- Gartenbeleuchtung — Terrassenrand, Wegbeleuchtung
- Reserverohre zum Garten für spätere Wünsche (Sauna, Poolbeleuchtung)
Reserve-Rohre nicht vergessen!
Für jeden Raum mindestens 1 Reserverohr vom Verteiler einlegen. Das sind ungenutzte Leerrohre, die später bei Bedarf mit Kabel bestückt werden können. Kosten: 5-10 € pro Raum. Nutzen: unbezahlbar wenn du in 10 Jahren feststellst, dass an dieser Stelle noch eine Steckdose gebraucht wird.
Farbliche Trennung — Stark- und Schwachstrom
Ein wichtiger Praxis-Trick, den viele Bauherren nicht kennen: Leerrohre gibt es in verschiedenen Farben. Standard ist grau, aber Fränkische und andere Hersteller bieten die gleichen FFKuS-EM-F-Rohre auch in rot, orange, gelb, grün und blau an. Das nutzen wir für die farbliche Trennung:
| Rohrfarbe | Kabel-Typ | Anwendung |
|---|---|---|
| Grau / schwarz | NYM 230/400 V | Starkstrom, Beleuchtung, Steckdosen |
| Rot | KNX-Bus, Loxone-Bus | Smart-Home-Bussystem |
| Orange | Cat7-Netzwerk | LAN, Ethernet |
| Gelb | Coax, SAT | Fernseh- und Antennenanschluss |
| Blau / grün | Sprechanlage, Alarm | Türkommunikation, Sicherheit |
Diese Farbkonvention ist keine Norm, sondern eine bewährte Praxis. Vorteile: bei einer Reparatur oder Erweiterung erkennt man sofort welches Rohr wofür — auch wenn die Bauunterlagen fehlen. Besonders wichtig, wenn Stark- und Schwachstrom im gleichen Zugkasten zusammenlaufen — Verwechslung ausgeschlossen.
Verlegepraxis — Regeln beim Rohrverlegen
Biegeradius einhalten
Faustregel: Biegeradius mindestens 6× Rohrdurchmesser. Also:
- M20 → min. 12 cm Radius
- M25 → min. 15 cm Radius
- M32 → min. 20 cm Radius
Bei zu engen Bögen knickt das Rohr innen und der spätere Kabel-Einzug wird schwer bis unmöglich. Zusätzlich reduziert sich die Wandstärke — Bruchgefahr beim Betonieren.
Maximal 3× 90°-Kurven pro Strecke
Auf einer Strecke zwischen zwei Zugpunkten (Dose, Verteiler, Zugkasten) sollten maximal drei 90°-Bögen vorkommen. Jede Kurve erhöht den Reibungswiderstand beim Kabel-Einzug — bei 4 oder mehr Bögen kannst du das dickere Kabel nicht mehr durchziehen. Wenn mehr Bögen unvermeidbar sind: Zugkasten einplanen.
Max. 20-25 m Länge zwischen Zugpunkten
Zwischen zwei Zugpunkten (Dose zu Dose, Dose zu Verteiler) sollten höchstens 20-25 Meter Rohr liegen. Danach steigt die Reibung so stark, dass der Kabel-Einzug scheitert. Bei längeren Strecken einen Zugkasten zwischenlegen.
Rohre an der Bewehrung befestigen
Vor dem Betonieren müssen die Rohre sicher an der Bewehrung fixiert werden — mit Bindedraht oder Kabelbindern. Sonst „schwimmen“ sie beim Betonieren nach oben oder werden vom Betonstrom verschoben. Alle 30-50 cm einen Befestigungspunkt.
Enden verschließen — extrem wichtig!
Alle Rohrenden vor dem Betonieren mit Endkappen verschließen oder mit Klebeband zukleben. Sonst läuft der Beton hinein und verstopft das Rohr auf Nimmerwiedersehen. Passiert erschreckend oft.
🚫 Klassischer Fehler: Rohr wird verlegt, alles perfekt geplant, aber die Enden bleiben offen. Beim Betonieren läuft der flüssige Beton in die Rohre, verstopft sie. Nach dem Aushärten sind sie unbrauchbar. Der einzige Weg: neue Kernbohrung durch die fertige Decke oder Aufputz-Nachrüstung. Immer, immer Endkappen verwenden!
Deckendosen und Auslässe
Wo das Rohr aus der Decke kommt, sitzt später eine Deckendose oder Deckenauslass. Bewährte Modelle:
Unterdecken-Auslass (Standard)
Das Rohr endet an der Deckenunterkante — hier wird später die Lampe direkt angeschraubt. Für die Kabelabführung reicht meist eine einfache Auslassdose. Beispiel: KAISER 1281 Deckenauslass für Beton.
Oberdecken-Auslass (für LED-Einbaustrahler)
Bei LED-Einbaustrahlern sitzt das Einbaugehäuse selbst in der Decke — das Rohr muss dort enden, wo später der Strahler gesetzt wird. Die exakte Position vor dem Betonieren mit dem Bauplan abgleichen. Bei gedämmten Decken: KAISER ThermoX als Einbaugehäuse verwenden (siehe Ratgeber Unterputzdose — moderne Bauarten).
Betondose direkt einbetoniert
Für Schalter und Steckdosen an der Decke kann eine Betondose direkt vor dem Betonieren eingelegt werden. Das Rohr wird von hinten angeschlossen. Vorteil: Kein Ausstemmen später. Nachteil: exakte Positionierung schon in der Rohbauphase nötig.
- Original Kaiser 9320-11
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Kabel einziehen — die richtige Technik
Ziehdraht mitverlegen (Pflicht!)
Vor dem Betonieren in jedes Rohr einen Ziehdraht einführen. Das ist ein dünner Nylon- oder Perlondraht (1,2-1,5 mm), an dem später das Kabel eingezogen wird. Ohne Ziehdraht ist ein 20-Meter-Rohr nach dem Betonieren nicht mehr zu bespielen — den Draht durch das gebogene Rohr nachträglich einzuziehen ist Glückssache.
Ziehstrumpf für dickere Kabel
Bei 5×2,5 mm² NYM oder mehreren Kabeln gleichzeitig braucht es einen Ziehstrumpf — ein flexibles Metallgeflecht, das sich um das Kabelende legt und beim Ziehen zusammenzieht. Verhindert das Ausreißen einzelner Adern.
Gleitmittel verwenden
Für lange Strecken oder mehrere Kabel unbedingt Gleitmittel verwenden:
- Fränkische FSCHM-Gleitmittel — der professionelle Standard
- Geschirrspülmittel + Wasser im Verhältnis 1:2 — bewährter Heimwerker-Trick, funktioniert einwandfrei
- Talkum — trockenes Gleitmittel, kein Rückstand
Kein Fett oder Öl verwenden — greift den Kabelmantel an.
Der Profi-Geheimtipp zum Einziehen
Für sehr enge oder lange aber auch Problemstrecken gibt es Spezial-Werkzeug: der Kati-Blitz. Mit dem Kati Blitz Compact lassen sich die Leitungen auch in kurvenreiche Rohrsysteme schnell und einfach einziehen. Preis rund 40-80 € — für Einzelanwendung teuer, aber bei ganzem Neubau lohnt sich die Investition.
- Kabeleinziehgerät Kati Blitz compact
- ? Glasfiber-Einziehband aus Polykat
- ? Anfanghülse 2.0 an beiden Bandenden
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- Lieferung: 2 Federführungsköpfe Ø 7 mm und 10 mm, 5 Zugköpfe mit Öse, Messing mit Gewinde M5, Ø 6 mm. 1 Kati Grip Powerdisk, 1 Kabelziehstrumpf mit Drallausgleich für Kabel Ø 6–9 mm, 5 Anfangshülsen, Messing mit Gewinde M5, 3 Verbindungshülsen, Messing und 1 Spezialkleber 3 g für Polykat.
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Foto-Dokumentation vor dem Betonieren
Bevor der Beton kommt, alles fotografieren. Das ist einer der wichtigsten Tipps aus 30 Jahren Praxis — und wird trotzdem oft vergessen. Empfehlungen:
- Übersichtsfoto jedes Raumes mit allen Rohrverläufen
- Detailfotos von Auslasspositionen mit Bemaßung (Zollstock im Bild!)
- Kreuzungspunkte und Zugkästen einzeln fotografieren
- Beschriftete Fotos — welches Rohr wohin führt
Praktische App-Empfehlungen 2026: Baubuddy, Bautagebuch Pro, oder einfach eine geordnete Ordnerstruktur mit iPhone/Android. Die Fotos sind Gold wert wenn du 5 Jahre später ein neues Kabel einziehen willst und dich nicht mehr an den Verlauf erinnerst.
Werkzeug und Zubehör
- Rohrschere / Kunststoffschere — für saubere Schnitte ohne Grat
- Steckmuffen — zum Verlängern von Rohren (Fränkische SMSKu-EZF)
- Endkappen — zum Verschließen offener Enden vor dem Betonieren
- Bindedraht — zum Fixieren an der Bewehrung
- Kabelbinder — als Alternative zum Bindedraht (schneller)
- Klemmschellen M20/M25/M32 — für spätere Befestigung an Wänden
- Einziehdraht 30-50 m — Nylon oder Perlon 1,2-1,5 mm
- Ziehstrumpf-Set — für verschiedene Kabelstärken
- Gleitmittel — Fränkische FSCHM oder Alternative
- Farbige Rohre für die Stark-/Schwachstrom-Trennung
Die 6 typischen Fehler beim Leerrohr-Verlegen
1. Enden nicht verschlossen
Der Klassiker. Beim Betonieren läuft flüssiger Beton in die Rohre — nach dem Aushärten verstopft. Rohr ist unbrauchbar, Kernbohrung nötig. Immer Endkappen oder Klebeband!
2. Falscher Rohrtyp verwendet
FBY-EL-F oder FFKU-EL-F in der Betondecke verlegt. Diese haben nicht die Druckfestigkeit — es besteht die Gefahr, dass sie beim Betonieren zerdrückt werden. In der Betondecke nur FFKuS-EM-F Highspeed!
3. Zu enge Biegeradien
Rohr wird 90° in engem Radius gebogen — knickt innen ab. Späteres Einziehen der Kabel scheitert. Immer mindestens 6× Rohrdurchmesser als Biegeradius einhalten.
4. Kein Ziehdraht mitverlegt
Nach dem Betonieren muss der Ziehdraht erst mühsam eingezogen werden — bei mehreren Bögen praktisch unmöglich. Immer Ziehdraht mitverlegen vor dem Verschließen der Enden.
5. Zu dünne Rohre gewählt
M20 für ein 5-adriges NYM-Kabel — passt nicht. Nachträgliches Aufbohren geht nicht. Lieber eine Nummer größer und 30 Cent mehr pro Meter ausgeben. M25 ist der Universalstandard.
6. Rohre nicht befestigt
Beim Betonieren schwimmen unbefestigte Rohre auf oder werden verschoben. Alle 30-50 cm mit Bindedraht oder Kabelbinder an der Bewehrung fixieren.
Preise 2026 — was kostet die Leerrohrinstallation?
Für ein Einfamilienhaus mit 160 m² Wohnfläche kalkulierst du etwa mit:
| Position | Menge | Preis 2026 |
|---|---|---|
| FFKuS-EM-F M20 (Steuerleitungen, KNX) | 80-120 m | 40-95 € |
| FFKuS-EM-F M25 (Standard-Rohre) | 200-400 m | 160-480 € |
| FFKuS-EM-F M32 (Herd, Verteilerzuleitungen) | 30-60 m | 45-120 € |
| Deckendosen und Auslässe | 40-70 Stück | 80-200 € |
| Kleinmaterial (Muffen, Kappen, Bindedraht) | – | 50-80 € |
| Gesamtmaterial | – | ca. 400-900 € |
| Fachbetrieb-Arbeitszeit (falls extern) | 40-70 Stunden | 2.500-5.500 € |
Wer selbst verlegt (in Absprache mit dem Elektriker), spart die Arbeitszeit — muss aber die Vorschriften kennen. Der Elektriker prüft und übernimmt später die Verantwortung nur, wenn er die Verlegung freigibt.
FAQ — häufige Fragen zu Leerrohren in der Betondecke
Welches Rohr für die Betondecke?
FFKuS-EM-F Highspeed von Fränkische ist der Standard. Mittlere Druckfestigkeit (750 N/5cm), Gleitbeschichtung innen, selbstverlöschend. Alternative Hersteller: Marley, Kopp, Rehau — bei gleicher Spezifikation.
Welchen Durchmesser soll ich wählen?
Universalstandard: M25 für die meisten Anwendungen (5-adrige NYM, Cat7, Coax). M20 für einfache Steuerleitungen und KNX. M32 für 7-adrige NYM und Sternverkabelung zum Datenverteiler.
Kann ich billige Rohre für die Betondecke nehmen?
Nein. FBY-EL-F und FFKU-EL-F haben nur 320 N/5cm Druckfestigkeit und werden beim Betonieren leicht zerdrückt. In der Betondecke immer FFKuS-EM-F Highspeed (750 N/5cm) verwenden.
Wie viele Bögen dürfen in einer Strecke sein?
Maximal 3× 90°-Bögen zwischen zwei Zugpunkten. Bei mehr Bögen Zugkasten einplanen. Biegeradius mindestens 6× Rohrdurchmesser.
Wie lang darf ein Leerrohr maximal sein?
Zwischen zwei Zugpunkten maximal 20-25 m. Bei längeren Strecken einen Zugkasten zwischenlegen — sonst geht der Kabel-Einzug nicht mehr.
Muss ich Ziehdraht mitverlegen?
Unbedingt ja. Ohne Ziehdraht ist ein 20-Meter-Rohr nach dem Betonieren praktisch nicht mehr zu bespielen. Standard: Nylon oder Perlon 1,2-1,5 mm, an beiden Enden fixiert.
Was kostet Leerrohr pro Meter?
2026: FFKuS-EM-F M20 ab 0,50 €/m, M25 ab 0,80 €/m, M32 ab 1,50 €/m. Halogenfreie LS0H-Version 50 % teurer. Preise variieren je nach Menge und Händler.
Kann ich unterschiedliche Kabel in ein Rohr einziehen?
Grundsätzlich ja, aber nicht Stark- und Schwachstrom zusammen — elektromagnetische Einkopplung stört Netzwerk und Bus-Signale. Immer getrennte Rohre für 230-V-Leitungen und Datenleitungen.
Was ist ein Zugkasten?
Eine Zwischendose zwischen zwei Rohrenden, in der das Kabel zwischenzeitlich sichtbar ist. Wird bei zu langen Strecken oder zu vielen Bögen eingeplant. Praktisch: die spätere Kabelverbindung erfolgt darin, keine zusätzliche Verlängerung nötig.
Kann ich Leerrohre nachträglich einbauen?
In fertige Betondecken praktisch nicht — nur Kernbohrung oder abgehängte Decke. Deshalb ist die Planung vor dem Betonieren so wichtig. In gemauerten Wänden ist Nachrüstung möglich (siehe Ratgeber Wandschlitze in der Elektroinstallation).
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Fazit
Leerrohre in der Betondecke sind eine der wichtigsten Investitionen in die zukunftssichere Elektroinstallation eines Massivhauses. Die Materialkosten sind mit 400-900 € für ein Einfamilienhaus überschaubar — der Gegenwert an Flexibilität für die nächsten 30-50 Jahre ist enorm.
Drei Erkenntnisse aus 30 Jahren Praxis:
Erstens — nie am Rohrtyp sparen. In der Betondecke immer FFKuS-EM-F Highspeed. Die 30 % Mehrkosten gegenüber FBY-EL-F sind sofort weg, wenn ein einziges Rohr beim Betonieren zerdrückt wird.
Zweitens — lieber ein Rohr zu viel als eines zu wenig. Reserve-Rohre in jeden Raum, jeder Ecke. Was du heute nicht brauchst, brauchst du in 10 Jahren bestimmt — Smart Home, E-Auto-Wallbox, neue Netzwerk-Standards. Rohr im Rohbau: 2 Euro. Nachrüstung: 500 Euro.
Drittens — Fotos vor dem Betonieren. Alles dokumentieren, alles bemaßen. Diese Fotos sind der wertvollste Bestandteil deiner Baumappe. Ohne sie irrst du in 5 Jahren durch die eigene Decke.
⚡ Haftungsausschluss: Die Verlegung von Leerrohren im Rahmen der Rohinstallation ist für Bauherren zulässig, sofern keine Arbeiten an spannungsführenden Teilen erfolgen. Der elektrische Anschluss der eingezogenen Kabel — Verteilerinstallation, Steckdosen, Schalter, Leuchten und alle Arbeiten am festen Netz — ist nach § 13 NAV und DIN VDE 0100 ausschließlich eingetragenen Elektrofachbetrieben vorbehalten. Bei Bus-Systemen (KNX, Loxone) und Photovoltaik/Wallbox-Anschlüssen zusätzlich die Herstellervorschriften und aktuellen Normen beachten. Wende dich für den Anschluss an einen qualifizierten Elektriker in deiner Nähe.